Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Sommer-Special: Gesunde Pferde auf der Weide

Wie Gras, Heu und Kraftfutter in der Weidesaison kombiniert werden müssen

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Das gesunde Dosieren von Gras und Zusatzfutter sind wichtig, damit Pferde auf der Weide gesund bleiben. Das gesunde Dosieren von Gras und Zusatzfutter sind wichtig, damit Pferde auf der Weide gesund bleiben.

Wie gewöhnt man Pferde ans frische Gras, damit sie keine Kolik oder Hufrehe bekommen? Muss man während der Weidesaison genau so viel Heu füttern? Wie sieht es mit der Kraftfutter-Dosis aus, wenn das Gras richtig üppig wird? Praxis-Antworten aus dem Stall-Alltag von Sonja Schmid, der Chefin des 5-Stern-LAG-Stalles „Pferdevilla“ in Gechingen bei Stuttgart.

Sonja Schmid leitet zusammen mit ihrem Mann Andreas den Aktivstall "Pferdevilla" in Gechingen bei Stuttgart.

Sonja Schmid leitet zusammen mit ihrem Mann Andreas den Aktivstall „Pferdevilla“ in Gechingen bei Stuttgart.

FREUNDPFERD: Nach welchem Schema gewöhnt ihr eure Pferde ans Gras? Wann ging’s los mit Anweiden?

Sonja Schmid, Pferdevilla Gechingen: Das Anweiden ist auch bei uns wetterabhängig, da wir alle Pferde für unsere Einsteller anweiden. Meistens beginnen wir Anfang Mai. Dazu bedarf es so viel Grünfutter, dass wir mähen können. Dann füttern wir die Pferde ganz langsam an. Erst eine Handvoll Gras, dann eine Gabel voll, zwei Gabeln Gras und so immer mehr. Schließlich lassen wir die Pferde stundenweise auf die Koppel, bis sie ganz angeweidet sind. Wir machen das sehr behutsam, um Hufrehe und Koliken zu vermeiden. Unser muschelkalkhaltiger Weideboden hat wenig Humus, also die ideale, eher magere Pferdeweide. Dafür dauert es bei uns ca. 2 Wochen länger, bis genügend Futter steht, so dass wir die Pferde meist erst ab Mitte Mai auf die Koppel lassen können. Da die Pferde genügend Auslauf im Aktivstall haben, stellt das kein Problem für unsere Einsteller dar.

Unsere „Männergruppe“ hat auf ihrem Winterauslauf beim ersten Sprießen des Grases die Möglichkeit zum Knabbern dieser Halme. Somit stellt das Anweiden hier kein Problem dar. Diese Pferde sind es gewohnt, schon mit Beginn des Aufwuchses Gras zu fressen. Trotzdem bekommen sie von uns anfänglich Grünfutter zusätzlich im Stall zugefüttert, bis es 24 Stunden auf die Weide geht.

Die Seniorengruppe hat 24 Stunden Heuzugang das ganze Jahr. Somit haben sie auch den Bauch voll, bevor es zum Angrasen auf die Koppel geht.

Der dosierte Zugang zu Heu und Kraftfutter erfolgt bei der computergestützten Fütterung in Stationen, die durch Schleusen begrenzt werden.

Der dosierte Zugang zu Heu und Kraftfutter erfolgt bei der computergestützten Fütterung in Stationen, die durch Schleusen begrenzt werden.

Was passiert während dieser Zeit der Grasgewöhnung mit der Dosis Kraftfutter und Heu? 

Wir haben festgestellt, dass die Pferde in der Koppelzeit weniger Heu in den Futterautomaten abholen, auch wenn wir die Heuration nicht verändern. Sollten wir allerdings feststellen, dass ein Pferd sehr an Gewicht zunimmt, werden wir nach Rücksprache mit dem Einsteller die Heu- und Kraftfutterration anpassen.  Die „Männergruppe“ lebt bis Herbst ausschließlich auf Umtriebsweiden. Sollten wir im Herbst keinen Grasaufwuchs mehr auf den Koppeln haben, stellen wir Heuraufen dazu. Kraftfutter können die Pferdebesitzer, wenn sie möchten, in dieser Phase selber individuell zufüttern. Die Senioren bekommen weiterhin ihr Heu ad libitum und auch das ihnen individuell zugeteilte Kraftfutter.

Auf der Koppel wird in der "Pferdevilla" Heu zugefüttert, sobald das Gras knapp ist.

Auf der Koppel wird in der „Pferdevilla“ Heu zugefüttert, sobald das Gras knapp ist. Foto-Copyright: Schmid

Und füttert ihr dann während der Weidesaison gleich viel Heu und Kraftfutter wie im Winter?

Sobald die Pferde auf die Koppel gehen, steht ihnen zur Heu- und Kraftfutterration auch das Gras der Koppeln zur Verfügung. Somit nehmen sie mehr Energie auf, die beim einen oder anderen Pferd in mehr Fülle umgewandelt wird. Hier ist Vorsicht und genaues Beobachten geboten. Eine Reduzierung der Futtermenge muss dann eventuell vorgenommen werden. Mit Beginn der Fellwechselzeit im Herbst benötigen die Pferde dann wieder mehr Energie, und wir erhöhen die Futterration.

Wie managt ihr Pferde während der Weide-Saison, die anfällig für Rehe oder Kolik sind oder die EMS oder Cushing haben? 

Wir haben EMS-, Cushing- und auch Rehe-Patienten auf unserer Anlage stehen. Diese Pferde werden besonders behandelt. Das Futter wird dem kranken Pferd angepasst. Eventuell werden besondere Futterzusätze notwendig und den einzelnen Pferden zusätzlich verabreicht. Der Koppelgang kann im Aktivstall individuell angepasst werden, so dass auch ein an Hufrehe erkranktes Tier den auf ihn abgestimmten Zeitplan für das Grasen einhält. Dies geschieht durch die computergesteuerte Koppelschleuse.

Macht ihr zu Beginn der Weidezeit einen Figur-Check? 

Wir haben einmal im Jahr die Pferdewaage da und können so das Gewicht zum Vorjahr vergleichen. Dazu werden auch Fotos gemacht und man hat auch einen bildlichen Vergleich. Wichtig ist, daß die Tiere zur gleichen Zeit, am besten im gleichen Monat, gewogen werden, um Gewichtsschwankungen während der Weidezeit so gut wie möglich zu vermeiden.

Was tut ihr, wenn ein Pferd während der ersten üppigen Weidemonate zu fett wird? Weidegang begrenzen? Kraftfutter kürzen? 

Sollte ein Pferd zu schnell an Gewicht zunehmen, dann wird zuerst das Kraftfutter gekürzt bzw. um Schlimmeres zu verhindern eventuell auch ganz darauf verzichtet. Der Koppelgang wird zeitlich beschränkt oder ganz gekürzt, falls Verdacht auf z. B. Hufrehe besteht. Der Tierarzt würden wir in solchen Fällen einschalten, sollte der Verdacht auf eine Krankheit bestehen. Gott sei Dank hatten wir damit bis heute keine Probleme aufgrund der mageren Weideflächen.

Magere Koppeln sind für Pferde, die wenig Leistung bringen müssen, ideal.

Magere Koppeln sind für Pferde, die wenig Leistung bringen müssen, ideal.

Wie verhindert ihr Überweidung, also, dass das Gras knapp wird?

Uns ist es sehr wichtig, dass wir kräuterreiche Koppeln haben, die nicht überweidet sind. Daher haben wir verschiedene Koppeln. Wir verfahren nach dem Prinzip der Umtriebsweiden. Bevor die Grasnarbe erreicht ist, gehen die Pferde auf eine andere Koppel.

Wie viel Weidefläche bietet ihr pro Pferd? 

Den unterschiedlichen Gruppen (Aktivstall, Männergruppe, Seniorengruppe) stehen verschieden große Koppeln zur Verfügung. Dies liegt daran, daß die Anzahl der Pferde in den Gruppen variiert. Durchschnittlich bieten wir jedem Pferd 4000 qm Weidefläche. Damit kommen wir sehr gut zurecht, und die Pferde auch: Sie haben viel Platz zum Ausweichen und um in Ruhe zu fressen oder auf der Weide zu dösen. Trittschäden und Überbeweidung werden vermieden. Das ist optimal, damit Weide und Pferde gesund bleiben.

Danke, Sonja. Wir wünschen euren Pferden leckere Weide-Tage! Bald geht’s weiter im Sommer-Special mit dem Thema „Mineralfutter während der Weide-Saison“

Unsere Praxis-Tipps für die Weidezeit

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2 Kommentare

  1. Der Artikel ist sehr hilfreich für mich. Danke.

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