Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Heucobs & Co.: Unser Heu ist im Eimer!

Praxisversuch: So fressen Pferde Heu-Ersatz wie Cobs oder Chips am liebsten.

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Die Fressbande im Test: Phoebe, Barnaby, Scotty und Joy genießen Heucobs & Co. aus ihren Eimern mit Umhängeriemen – so geht nichts daneben, und kein Offenstall-Kumpel kann Futter klauen. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de Die Fressbande im Test: Phoebe, Barnaby, Scotty und Joy genießen Heucobs & Co. aus ihren Eimern mit Umhängeriemen – so geht nichts daneben, und kein Offenstall-Kumpel kann Futter klauen. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Gute Heu-Alternativen im Praxisversuch – zum Schlabbern und Knabbern

Wenn Heu im Eimer ist, muss das nicht zwangsläufig etwas Schlechtes heißen: Gutes Heu in grob gehäckselter, staubfreier und komprimierter Form – als Cobs, Chips & Co. – ist das Strukturfutter der Wahl für Pferde mit Allergien oder Zahnproblemen. Denn sie können loses Heu vom normalen Heuballen nicht mehr gut vertragen und verwerten. FREUNDPFERD hat im Praxisversuch ausprobiert, wie sich Heu-Alternativen zum Schlabbern und Knabbern aus Eimern bewähren.  

Heucobs-Test-Team: Meine Freundin Silke Sigle und ich, Christine Felsinger, zusammen mit Barnaby, der viel Spaß beim Schlabbern und Knabbern hatte. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Heucobs-Test-Team: Meine Freundin Silke Sigle und ich, Christine Felsinger, zusammen mit Testwallach Barnaby, der viel Spaß beim Schlabbern und Knabbern hatte. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Alarmzeichen Heuwickel: Schuld sind kaputte Zähne

Wenn Pferde loses Heu vom Ballen nicht gut verwerten, können wir das sehen und hören. Schuld sind meist Zähne oder Atemwege. Schauen wir uns also zunächst den Faktor Zahn und Heufütterung an: Häufig sind es ältere Pferde mit wackligen, beschädigten oder stark abgeschliffenen Backenzähnen, die ihr Heu nicht mehr richtig kauen können. Sie legen beim Fressen den Kopf schief, verschieben den Kiefer und versuchen so, das Futter mit den Backenzähnen zu erwischen. Das gelingt nicht immer, und deshalb spucken die Pferde oft halb zerkaute, feuchte Heuklumpen aus, die man Heuwickel nennt. Außerdem sind im Kot unverdaute Heufasern zu finden.

Auf längere Sicht magern und muskeln solche Pferde ab, weil sie dem Futter nicht genug Kohlenhydrate und Proteine entziehen können. Und sie entwickeln Verdauungsprobleme, weil der lebenswichtige Rohfaseranteil im Heu (25 bis 30 Prozent), der guten Darmbakterien Nahrung liefert und böse Darmbakterien in Schach hält, den Darm gar nicht mehr erreicht. Höchste Zeit, den Pferdezahnarzt zu rufen, der das Pferdegebiss saniert. Und, wenn auch er mit seiner Weisheit und seinen Werkzeugen am Ende ist, nach Raufutter-Alternativen zu suchen. Dabei wird eines schnell klar:

Gras und Stroh: keine Heu-Alternativen, wenn es um Staub, Schimmel, Kauen und Nährwert geht!

Gras gibt es nämlich nicht das ganze Jahr über. Und für die meisten Pferde ist das moderne, zuckerreiche Monokultur-Gras in großen Mengen ungesund für Darm und Stoffwechsel, somit kein taugliches Grundfutter. Und Stroh? Das läge als rohfaserreiches Knabberzeug nahe und liegt auch in vielen Ställen, kann aber ebenso wie Gras das Heu nicht adäquat ersetzen. Zum einen, weil Pferde mit Zahnproblemen, die ihr Heu nicht mehr kauen können, auch Stroh nicht mehr klein kriegen: Dann steigt die Gefahr, dass schlecht gekaute Strohhalme aufgrund ihres hohen Gehalts an Lignin (Bestandteil der Zellwände verholzter Pflanzen) den Darm verstopft.

Ohnehin raten Futterexperten, täglich maximal 1 Kilo Stroh pro 100 Kilo Pferdegewicht zu füttern, sonst kann es zu Obstipationskoliken kommen. Zum anderen ist Stroh kein vollwertiger Heuersatz, weil es zwar ein gutes Beschäftigungsfutter ist, aber hinsichtlich seiner Nährwerte dem Heu nicht das Wasser reichen kann. Außerdem ist Stroh – und jetzt kommen wir zum Faktor Atemwege und Allergien – keinen Deut besser als Heu, wenn es um Staub und Schimmel im Grund- oder Rauhfutter geht.

Einweichen nach Maß: Für den Heucobs-Test haben wir Pferde in zwei Offenställen die drei Produkte gefüttert. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Einweichen nach Maß: Für den Heucobs-Test haben wir Pferden in zwei Offenställen je drei Produkte gefüttert. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Heu und Stroh von heute kämpfen nämlich leider mit üblen Hygieneproblemen: Die Halme sind ist häufig dreckig, weil beim Schneiden zwecks besserer Ausbeute die Mähwerke so tief eingestellt werden, dass automatisch eine Menge Erde mit ins Schnittgut gerät. Hinzu kommt beim Heu, dass es sehr empfindlich ist, wenn es während der Ernte immer wieder regnet (wie häufig in den feucht-warmen Sommern der vergangenen Jahre) und wenn Heu zu früh zu Ballen gepresst wird, bevor es auf der Wiese drei Tage lang komplett durchtrocknen kann.

Heu feucht pressen: idealer Nährboden für Schimmelpilze

Meist schimmeln die Heuballen von innen heraus. Oberflächlich betrachtet ist erstmal alles gut. Erst beim Aufschneiden des Ballens wird das Elend sichtbar; und in etlichen Ställen verschließt man davor die Augen und füttert solches Heu trotzdem. Je größer die Ballen, desto komprimierter das Heu und desto höher das Risiko, dass es dauerhaft mit Mykotoxinen (Gift aus Schimmelpilz-Sporen) kontaminiert ist: Denn Heu schwitzt während des Reifungsprozesses auf dem Heuboden sowieso noch einmal nach. Wird im Lager nicht ausreichend belüftet – viele Heuballen liegen direkt auf dem Boden oder auf luftdichten Folien, statt auf luftigen Unterbauten –, bilden sich rasend schnell Schimmelnester im Heu.

Testpferd Scotty: Der freche kleine Paintwallach hat gesunde Zähne und Atemwege; er fraß aus Spaß und Solidarität mit; er mochte alle Heu-Alternativen gleich gern. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Testpferd Scotty: Der freche kleine Paintwallach hat gesunde Zähne und Atemwege; er fraß aus Spaß und Solidarität mit und mochte alle Heu-Alternativen gleich gern. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Wie problematisch die Heuqualität heute ist und wie stark sich das auf die Gesundheit der Atemwege auswirkt, verdeutlichen Vergleiche zwischen Wildpferden und modernen Pferden: Wildpferde leiden extrem selten an chronischen Atemwegserkrankungen, während Wissenschaftler schon vor 30 Jahren vor der steigenden Gefahr der Atemwegserkrankungen bei Pferden in menschlicher Obhut warnten: Bei einem Viertel aller Pferde, die getötet werden müssen, sind chronische Atemwegserkrankungen im Spiel, fand der Bonner Professor Heiner Sommer in einer Studie 1988.

60 bis 70 Prozent aller erwachsenen Pferde leiden unter Atemwegs-Entzündungen

Die Symptome reichen von gelegentlichem Husten (vor allem zu Beginn des Trainings) über regelmäßige Hustenattacken mit Leistungsabfall und starkem Schwitzen bis hin zur Dämpfigkeit mit angestrengtem Atmen auch in Ruhe und typischer Dampfrinne an der Flanke. Mediziner nennen das RAO (Recurrent Airway Obstruction) oder früher COB (Chronisch Obstruktive Bronchitis). RAO bzw. COB steht für eine nicht-infektiöse Entzündung der unteren kleinen Atemwege, meist verursacht durch eine Allergie gegen Pilzsporen in kontaminiertem Heu und Stroh.

Durch die immer wiederkehrende allergische Reaktion des Lungengewebes kommt es zu Schwellungen, Verschleimung und Krämpfen in den Bronchien. Das Immunsystem ist entsprechend anfällig; schon der Fellwechsel reicht als Störfaktor aus, um die Symptome zu verschlimmern, weshalb Husten bei Pferden im Frühjahr und Herbst Hochsaison hat.

Allergien vorbeugen: Staubfreie Pferdehaltung und Fütterung

Diesen Allergien können wir vorbeugen, indem wir Pferde viel an frischer Luft halten und bewegen. Ihnen zu viel Stress ersparen, der das Immunsystem schwächt. Eine staubfreie Einstreu wählen und täglich ausmisten. Generell auf staubarme Umgebung achten. Das Heu nicht direkt in der Box aufschütteln, beim Fegen des Stalls vorher den Boden wässern und so weiter. Vor allem gilt: Wir müssen bei der Heuproduktion auf exzellente Hygiene achten, und zwar von der Wiese bis ins Heulager. Wenn all das nichts hilft, oder wenn wir gar nicht beeinflussen konnten, was die Bronchien unseres Pferds im Lauf der Vorjahre ertragen mussten, hilft nur die Suche nach geeigneten Heu-Alternativen.

Testpferd Joy: Die 26-jährige Stute, ein Paint-Warmblut-Mix, hat Zahnprobleme und eine Stauballergie. Ein klarer Fall für Heu-Alternativen. Vorlieben hatte sie im Test keine entwickelt; sie konnte alles gleich gut fressen. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Testpferd Joy: Die 26-jährige Stute, ein Paint-Warmblut-Mix mit Zahnproblemen und Stauballergie. Ein klarer Fall für Heu-Alternativen. Vorlieben und Probleme hatte Joy im Test keine; sie fraß alles gleich gut. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.

Vor diesem Problem stand auch Pferdebesitzerin Silke Sigle aus Weinstadt bei Stuttgart; eine gute Freundin von mir, die ihr Heu seit vielen Jahren von einem Bauern ihres Vertrauens in Kleinballen guter Qualität bezieht. Trotz bester Stall- und Futterhygiene in ihrer kleinen Offenstallherde mit vier Pferden konnte sie bei ihrer ältesten Stute Joy (26) nicht verhindern, dass diese vor 15 Jahren eine Allergie entwickelte, die sich vor allem im Frühjahr und Herbst durch starkes Husten und Verschleimen bemerkbar machte. Bei Versuchspferd Joy summierten sich im Lauf des Lebens einige Problemfaktoren, wie es viele Besitzer älterer Pferde kennen.

Umstellung Gras auf Heu: Stress für kranke Atemwege

Als Fünfjährige verletzte sich die Stute bei einem Sturz schwer am Knie und darf seither außer der freien Bewegung in der kleinen Herde nur mäßig belastet werden. Geregeltes Trab- und Galopptraining, was gut für die Lunge wäre, geht nicht. Wenn die Herde nach dem Weidesommer in den Offenstall zurückkehrt, bringt die Umstellung auf Heu auch bei guter Qualität immer einen gewissen Stressfaktor für die Atemwege der vorbelasteten Stute mit sich. Eine Gegensensibilisierung brachte nicht viel. Inhalieren linderte die Symptome deutlich; jahrelang stand Silke Sigle also täglich mit dem Ultraschall-Vernebler neben ihrer Stute.

Die Einstreu wurde komplett auf strohfrei umgestellt; der Stall penibel gefegt, bevor die Pferde im Herbst von der Weide kamen; das Heu füttert Silke Sigle an alle ihre Pferde seit Jahren vorbeugend nur noch in Heunetzen, die sie taucht und wässert.

Testpferd Phoebe: Die 21-jährige Stute ist die Tochter von Joy. Aufgrund beginnender Zahnprobleme ist sie ebenfalls ein heißer Kandidat üfr Heucobs & Co und konnte sich im Test schon mal einfressen. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Testpferd Phoebe: Die 21-jährige Stute ist die Tochter von Joy. Aufgrund beginnender Zahnprobleme ist sie ebenfalls ein heißer Kandidat für Heucobs & Co und konnte sich im Test schon mal warmfressen. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Weil bei Joy und inzwischen auch bei Tochter Phoebe die Zähne nicht mehr die besten sind, füttert Silke Sigle zweimal täglich Heucobs verschiedener Marken, die sie vorher einweicht – mit Regenwasser, das das ganze Jahr über Umgebungstemperatur hat. Ein echter Härtetest für die harten Brocken, denn mit heißem Wasser aus dem Wasserkocher würden sich diese natürlich im Handumdrehen lösen. Wie aber sieht es aus, wenn Wasser im Winter knapp über null Grad kalt ist und der Heucobs-Brei auch nicht im kuschlig warmen Reiterstübchen quellen kann? Oder wenn ich wirklich mal keine Zeit habe, die Heucobs länger quellen zu lassen?

Chips und Fasern: Schnelle Alternativen zu Heucobs, die lange quellen müssen

Wir haben für den Praxisversuch drei verschiedene Heuersatz-Produkte unterschiedlicher Konsistenz und Handhabung verwendet, die wir in Kooperation mit meinem Blog-Partner „marstall Premium-Pferdefutter“ (Partner-Link) ausprobierten. Zum Zuge kamen jeweils eine Woche lang diese Produkte aus der marstall Struktur-Linie: Wiesen-CobsWiesen-Chips und Wiesen-Fasern (Partner-Links).

Alle drei Produkte enthalten dasselbe pure, natürliche Ausgangsmaterial: 100 Prozent Heu ohne weitere Zusätze von kräuterreichen Naturwiesen aus dem Allgäu. Es stammt aus 1. Schnitt spät in der Blüte; dieser ist optimal für Pferde mit mittlerer Leistung. Das marstall-Basisheu ist eiweißreduziert (11 Prozent Rohproteingehalt) und reich an Rohfaser (20,2 Prozent). Es enthält lediglich 3,9 Prozent Fruktan, keine Melasse und eignet sich daher auch für ältere, stoffwechselempfindliche Pferde.

Die Ernte läuft bei allen Produkten identisch: Direkt nach der Ernte wird das Heu heißluftgetrocknet. Somit ist es unabhängig von Wettereinflüssen, bleibt schimmel- und staubfrei. Es wird gehäckselt zu 1 bis 2 Zentimeter langen Fasern und dann je nach Endprodukt gepresst zu Wiesen-Cobs (in der Versuchs-Charge haben wir Pellets von 2 bis 4 Zentimeter Länge und 1,5 bis 2 Zentimeter Durchmesser gemessen), Wiesen-Chips (im Versuch ca. 1 Zentimeter Länge) oder als lose Wiesen-Fasern (Heuhäcksel, im Versuch ca. 1,5 Zentimeter lang) belassen.

Faustregel: Heucobs müssen mindestens 1 Zentimeter lange Heufasern enthalten

Das ist wichtig, denn Futterforscher empfehlen, dass Heucobs und anderes Strukturfutter mindestens 1 Zentimeter lange Fasern enthalten muss, um keine Schlundverstopfung zu riskieren, das Kauen anzuregen und den Darm zu beschäftigen. Von Grünmehl- oder Luzernepellets mit vermahlener Grundsubstanz als Heu-Ersatz raten Experten daher ab!

Der Praxisversuch: So haben wir Cobs & Co. getestet

Equipment für den Heucobs-Test: Mit Messbecher, Küchenwaage und Holzlöffel gingen wir ans Werk. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Equipment für den Heucobs-Test: Mit Messbecher, Küchenwaage und Holzlöffel gingen wir ans Werk. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Welche Darreichungsform eignet sich für welchen Zweck? Gibt es Vor- und Nachteile im Handling und beim Fressverhalten? Das interessierte uns für den Praxisversuch, bei dem Stute Joy viermal täglich über drei Wochen hinweg Cobs, Chips oder Fasern fraß. Stichprobenartig kamen auch ihre drei Stallkollegen sowie meine eigene Stute Maya im Aktivstall ein paar Dörfer weiter in den Genuss der ungewohnten Wiesenkost. So viel vorweg: Die Heu-Ersatz-Produkte waren eine hoch willkommene Abwechslung zum Schlabbern und Knabbern auch für diejenigen unserer Pferde, die ihr Heu Gottseidank noch normal fressen können.

Unsere Futter-Empfehlungen
… für Wiesen-Cobs

Wiesen-Cobs für Pferde: Die Heucobs sind im Schnitt zwischen 2 und 4 Zentimeter lang, die Heufasern gut erkennbar. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Wiesen-Cobs für Pferde: Die Heucobs sind im Schnitt zwischen 2 und 4 Zentimeter lang, die Heufasern gut erkennbar. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.deWiesen-Cobs (25-Kilo-Sack) müssen wie alle Heucobs aufgrund ihrer Größe unbedingt eingeweicht werden und dürfen nicht trocken gefüttert werden.

Litergewicht im Versuch: ca. 600 Gramm (Angabe Hersteller: ca. 550 Gramm)
Wasserzugabe: Wir haben 1 Liter (= 600 Gramm) Cobs zunächst mit 2,5 Liter Wasser angegossen und nach 20 Minuten noch 0,5 Liter Wasser nachgegossen. Der Hersteller empfiehlt ein deutlich niedrigeres Wasser-Cobs-Verhältnis, nämlich 2,5-3 Liter Wasser auf 1 Kilo Cobs. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Cobs im Verhältnis „1 Teil Cobs, 5 Teile Wasser“ schneller auflösen und die Pferde es lieber mochten, wenn die Masse breiiger ist. Außerdem kann man so auch im Winter, wenn gerade ältere Pferde nicht gerne viel trinken, noch zusätzliches Wasser ins Pferd bringen.
Einweichzeit I, Wasser- und Umgebungstemperatur 2 Grad: Nach 30 Minuten waren die Wiesen-Cobs fast vollständig aufgelöst, mehrmaliges Umrühren unterstützte das Zerbröckeln der Pellets.
Einweichzeit II, Wasser mit normaler Leitungstemperatur 12 Grad, Umgebungstemperatur Reiterstübchen 15 Grad: Nach 20 Minuten waren die Wiesen-Cobs fast vollständig aufgelöst. Auch hier erwies es sich als sinnvoll, ab und zu umzurühren.
Fresszeit + Kauschläge: 25 Minuten/ 2.250 Kauschläge für 1 Kilo Cobs (eingeweicht).

… für Wiesen-Chips

Wiesen-Chips für Pferde: Die kleinen Heupresslinge sind im Schnitt 1 Zentimeter lang und lassen sich leicht zerbröseln. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Wiesen-Chips für Pferde: Die kleinen Heupresslinge sind im Schnitt 1 Zentimeter lang und lassen sich leicht zerbröseln. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Wiesen-Chips (15-Kilo-Sack) können trocken gefüttert werden; in der Gewöhnungsphase bitte Wasser zugeben. Hastige Fresser sollten Chips nur mit Wasserzugabe fressen.

Litergewicht im Versuch: ca. 400 Gramm (Angabe Hersteller: ca. 365 Gramm)
Wasserzugabe: Wir haben mit der Herstellerempfehlung (1-2 Liter Wasser auf 1 Liter Chips) gute Erfahrungen gemacht und eher 2 als 1 Liter verwendet.
Einweichzeit: Die Chips konnten wir nach Aufgießen mit 12 Grad kühlem Leitungswasser und kurzem Durchrühren sofort füttern; dann sind zwar optisch noch nicht alle Chips aufgelöst, aber die Pferde können sie völlig problemlos zermahlen. Auch die Herstelleraussage, dass die Wiesen-Chips von Pferden problemlos trocken gefressen werden können, stimmt: Wir haben mit 1 Liter (=420 Gramm) trockenen Chips begonnen zum Angewöhnen und dann die Menge jeweils verdoppelt.
Fresszeit + Kauschläge: 17 Minuten/ 1.360 Kauschläge für 1 Kilo Chips (trocken); eingeweichte Chips vgl. Heucobs. Die trockenen Chips wurden von Maya mit intaktem Pferdegebiss und auch von Joy mit ihren schlechteren Zähnen gut eingespeichelt; ruhiges und gleichmäßiges Fressverhalten. Joy brauchte allerdings pro Kilo 3 Minuten länger als Maya.

... für Wiesen-Fasern 

Wiesen-Fasern für Pferde: Das Strukturfutter enthält gut erkennbare Bestandteile von Wiesenheu. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Wiesen-Fasern für Pferde: Das Strukturfutter enthält gut erkennbare Bestandteile von Wiesenheu. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Wiesen-Fasern (15-Kilo-Sack) können trocken gefüttert werden; in der Gewöhnungsphase bitte Wasser zugeben.

Litergewicht im Versuch: 280 Gramm (Angabe Hersteller: 310 Gramm)
Wasserzugabe: Der Hersteller macht zur Wassermenge keine konkrete Angabe; bewährt haben sich im Praxisversuch 1,5 Liter Wasser für 1 Liter Fasern.
Einweichzeit: kein Warten nötig; sofort verzehrfähig.
Fresszeit + Kauschläge: 20 Minuten/ 1.400 Kauschläge für 1 Kilo Fasern (trocken), 25 Minuten/ 1.750 Kauschläge für 1 Kilo Fasern (nass).

7 Praxis-Faktoren: Welche Heu-Alternative passt zu meinem Pferd und mir?

Klar ist: In Sachen Beschäftigungs- und Kaufaktor kommen Heucobs & Co. natürlich nicht an loses Heu heran. Die Fresszeit ist durch die vorherige Zerkleinerung der Fasern logischerweise kürzer, das hat auch unser Praxisversuch ergeben. 60.000 Kauschläge pro Tag führt ein Pferd in freier Wildbahn aus, wenn es sich von hartem Steppengrad ernährt. Um 1 Kilo loses, grobstängeliges Heu zu fressen, benötigt ein Pferd 40 bis 50 Minuten bei rund 3.500 Kauschlägen. 1 Kilo Hafer frisst ein Pferd in 10 Minuten bei etwa 800 Kauschlägen. Soweit die Ergebnisse aus der Wissenschaft.

Testpferd Maya: Meine 21-jährige Araber-Appaloosa-Stute kannte Heucobs noch gar nicht und ist ein guter Kandidat für Futtertest, weil sie sehr wählerisch ist: Sogar Leckerli und Mash beäugt sie normalerweise erst einmal skeptisch. Bei Wiesen-Cobs, Wiesen-Chips und Wiesen-Fasern schlug sie hingegen sofort zu; das ungeduldig erhobene Vorderbein spricht Bände. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Testpferd Maya: Meine 21-jährige Araber-Appaloosa-Stute kannte Heucobs noch gar nicht und ist ein guter Kandidat für Futtertests, weil sie sehr wählerisch ist: Sogar Leckerli und Mash beäugt sie erst einmal skeptisch. Bei Wiesen-Cobs, Wiesen-Chips und Wiesen-Fasern tauchte sie ohne Zögern in den Eimer; das ungeduldig zappelnde Vorderbein spricht Bände. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

In unserem Praxisversuch benötigten die Pferde für 1 Kilo Heu-Ersatz je nach Produkt zwischen 17 Minuten (Chips, trocken) und 25 Minuten (Cobs und Chips, eingeweicht). Das entspricht also in etwa der Hälfte der Fresszeit für loses, grobstängeliges Heu. Interessant zu beobachten: Die eingeweichten Cobs und Chips wurden mit weniger Kauschlägen gekaut (80 pro Minute), die trockenen Chips mit mehr (90 Kauschläge pro Minute). Bei den Fasern konnten wir keinen Unterschied bei den Kauschlägen trocken/ nass (jeweils 70) feststellen. Allerdings benötigten die Pferde in unserem Versuch für die (mit viel Wasser gefütterten) Produkte insgesamt mehr Fresszeit pro Kilo Grundmaterial, was die etwas geringere Kaufrequenz wettmacht.

Was folgern wir daraus für die Fütterungspraxis? Heucobs & Co. sind im normalen Alltag keine bessere Alternative für hygienisch gutes Heu bei Pferden mit intaktem Gebiss und gesunden Atemwegen. Wer das Glück hat, gutes Heu und ein gesundes Pferd zu haben, braucht sich (noch) keine Gedanken zu machen, ob er lieber Heucobs, Chips oder Fasern füttert. Anders sieht es aus, wenn phasenweise kein einwandfreies Heu greifbar ist (z.B. unterwegs oder bei schlechten Ernten), oder wenn das Pferd die oben beschriebenen Handicaps hat (alters- oder krankheitsbedingt schlechte Zähne, geschädigte Atemwege, Stauballergie, RAO/ COB).

In einem solchen Fall spielt für die Wahl der richtigen Alternative vor allem der Faktor „Komfort & Handling“ für den Pferde- oder Stallbesitzer eine Rolle – und natürlich der Faktor „Gesundheit & Geschmack“ fürs Pferd.

a) Faktor Platz: Je komprimierter das Ausgangsmaterial, desto weniger Lagerplatz brauche ich für meine Heu-Alternative. Das lässt sich an den Gebindegrößen sehen: 1 Sack Wiesen-Cobs fasst 25 Kilo, 1 Sack Wiesen-Chips oder Wiesen-Fasern fasst 15 Kilo.

b) Faktor Gewicht: Der schwere Heucobs-Sack ist natürlich im Handling aufwändiger, während sich die Chips und Fasern deutlich leichter vom Kofferraum in die Futterkammer bewegen lassen. Auch wer mit Pferd auf Reisen ist, hat mit Chips und Fasern die kraftsparendere Lösung.

c) Faktor Zeit: Am meisten Zeit fürs Handling (vorher Einweichen, nachher Eimer putzen) brauchen die Heucobs. Gehe ich davon aus, dass ich die Heucobs einweiche, bevor ich mich mit meinem Pferd beschäftige, sollte diese Vorbereitungszeit zumindest in den meisten Fällen kein Problem sein. Bei großer Eile oder unterwegs kann das anders sein; daher gilt auch hier: Situation abwägen.

Wasser, marsch: Die Wiesen-Cobs müssen immer eingeweicht werden. Wir haben das Wasser für den Test per Messbecher aufgegossen. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Wasser, marsch: Die Wiesen-Cobs müssen immer eingeweicht werden. Wir haben das Wasser für den Test per Messbecher aufgegossen. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

d) Faktor Beschäftigung & Kauen: Im Versuch haben die (mit viel Wasser eingeweichten) Heucobs nicht nur den Pferdebesitzer, sondern durch die längere Fresszeit auch das Pferd mehr beschäftigt – auch wenn die relative Zahl der Kauschläge bei den trockenen Grundprodukten etwas höher lag.

e) Faktor Zahn: Hier heißt es eindeutig: einweichen, sobald die Gefahr besteht, dass gepresste Trockenprodukte nicht gründlich gekaut werden und daher zu Schlundverstopfungen führen könnten. Dabei kommt es auf den Gebisszustand an. Bei sehr schlechter Zahnsubstanz läge die Präferenz bei den angefeuchteten Fasern.

f) Faktor Wasseraufnahme: Für ältere Pferde, die vor allem im Winter oft schlechte Trinker sind, bringen die eingeweichten Heucobs zusätzlich einen Benefit bei der Wasserversorgung. Freilich kann man auch die Chips einweichen für denselben Effekt.

g) Faktor Geschmack: Bei keinem unserer Pferde konnten wir feststellen, dass es eine der angebotenen Heu-Alternativen besonders bevorzugte oder umgekehrt verschmähte. Das wundert nicht, denn das Ausgangsprodukt ist mit Wiesenheu von denselben Standorten dasselbe, und es werden in keinem der Produkte weitere Zusatzstoffe eingesetzt, die den natürlichen Heugeschmack verfälschen könnten.

Wiesen-Cobs, Wiesen-Chips, Wiesen-Fasern: Diese Heu-Alternativen haben wir im Praxisversuch an unseren Pferde ausprobiert. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Wiesen-Cobs, Wiesen-Chips, Wiesen-Fasern: Diese Heu-Alternativen haben wir im Praxisversuch an unseren Pferde ausprobiert. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Test-Fazit: Wiesen-Cobs, Wiesen-Chips oder Wiesen-Fasern?

Das kommt auf den Einsatzzweck an. Meine Freundin und Praxistesterin Silke, die in ihrem kleinen Offenstall mit vier Pferden am liebsten platzökonomisch plant, findet Heucobs am praktischsten – zumal im Alltag genügend Zeit ist, die Cobs für ihre alte Stute Joy einzuweichen, während sie die Stallarbeit erledigt und ihre Pferde bewegt. Für meine kleine Stute Maya würde ich, falls ich ihr täglich Heu-Alternativen füttern müsste, wohl Chips bevorzugen, weil ich damit am flexibelsten bin und Maya (zumindest mit momentan noch intaktem Gebiss) auch die trockenen Produkte sehr gut und ruhig kaut. Für den mobilen Einsatz (Transport, Turnier, Wanderritt) oder bei leichtfuttrigen Pferden als rohfaserreiche Beimischung zum Kraftfutter finden wir die Fasern praktisch; ebenso für Pferde, die keine gepressten Chips im trockenen Zustand fressen sollten – sei es, weil die Zähne zu schlecht sind oder weil sie die Brocken zu hastig schlingen würden.

Wiesen-Cobs für Pferde nach 25 Minuten einweichen: Am Eimerrand erkennt man die Länge der im Schnitt ca. 1,5 Zentimeter langen Heufasern. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Wiesen-Cobs für Pferde nach 25 Minuten einweichen: Am Eimerrand erkennt man die Länge der im Schnitt ca. 1,5 Zentimeter langen Heufasern. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Letztlich hängt es also von den individuellen Rahmenbedingungen ab, ob man staubfreie Heu-Alternativen lieber in Form von Cobs, Chips oder Fasern füttert. Und da heißt es schlicht: ausprobieren!

Gerade weil ich selbst studierte Biologin bin und meine Freundin Silke als Lebensmitteltechnologin arbeitet, möchten wir an dieser Stelle noch einmal auf eines hinweisen: Wir haben einen mehrwöchigen Praxisvergleich durchgeführt, der aufgrund der Menge/Auswahl der Pferde und des nicht standardisierten Versuchsdesigns keinen wissenschaftlichen Ansatz hatte und keinerlei Anspruch auf Reproduzierbarkeit und Generalisierbarkeit erhebt, sondern anekdotisch unsere Einzelfall-Erfahrungen wiedergibt. Unsere Empfehlungen sind nicht medizinischer Natur und ersetzen, vor allem bei Pferden mit Gesundheitsproblemen, nicht die Beratung durch Tierarzt und Futterexperten direkt am Pferd.

Belohnung zum Schluss: Wiesen-Cobs statt Leckerli

Was ich mir während des Versuchs angewöhnt habe: Ich habe immer ein paar Wiesen-Cobs in der Hosentasche, die ich anstelle von Leckerli zur Begrüßung und zur Belohnung trocken verwende. Einzeln gefüttert, können diese gut gekaut werden. Das habe ich mir von Desmond O’Brien, Klassik-Ausbilder und ehemaliger Sattlermeister der Spanischen Hofreitschule in Wien, abgeschaut. Er erzählte begeistert:

„In Wien belohnen die Bereiter ihre Hengste traditionell mit einem Stück Würfelzucker aus ihrer Zuckerltasche unterm Frack. Ich verwende lieber ein Heucob, das ist gesünder“

Für mein neues Bookazin „ReitKultur“ zum Thema „Piaffe: Der Traum wird wahr – fein, schön, natürlich“ hatten wir Ausbilder Desmond O’Brien im Januar 2018 besucht und porträtiert; dabei hat er uns diesen kalorienarmen und zahngesunden Leckerli-Tipp verraten, den ich gerne weitergebe!

Heucobs als Belohnungshappen: Einzeln aus der Hand fraßen die Pferde im Versuch ein trockenes Heucob gern und problemlos – ein gesunder Ersatz für melassierte Leckerli. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

Heucobs als Belohnungshappen: Einzeln aus der Hand fraßen die Pferde im Versuch ein trockenes Heucob gern und problemlos – zahngesunder Ersatz für melassierte Leckerli. Foto: Felsinger/FREUNDPFERD.de

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