Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Veganer riskieren Vitaminmangel

Algen und Pilze sind kein Ersatz für Fleisch und Milch

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FREUNDPFERD-Bloggerin Christine Felsinger ist Journalistin und Biologin. FREUNDPFERD-Bloggerin Christine Felsinger ist Journalistin und Biologin.

Vegane Lebensmittel boomen, sind aber nicht automatisch gesünder. Im Gegenteil: Wer einfach tierische durch pflanzliche Produkte ersetzt, riskiert Mangelerscheinungen. 

Algenpulver als Ersatz für Butter und Ei in Backwaren. Soja-, Reis- und Haferdrinks statt Kuhmilch. Tofu statt Fleisch: Eine wachsende Zahl an Produkten machen es heute möglich, auf tierische Lebensmittel zu verzichten. „Vegane Ernährung treibt derzeit Innovationen auf dem Lebensmittelmarkt an“, beobachtet Prof. Dr. Peter Grimm, Geschäftsführer der Sektion Baden-Württemberg der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE-BW). Er warnte auf der Fachtagung der Sektion Baden-Württemberg der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. im September 2016 vor naiven Vorstellungen, die mit veganer Ernährung verbunden sind.

Die meisten Veganer verzichten aus ethischen Gründen auf tierische Produkte, denn die rein pflanzliche Ernährung steht auch in dem Ruf, besonders gesund zu sein – ein gefährlicher Fehlschluss, wie Prof. Dr. Grimm weiß: „Die Annahme, bei veganer Ernährung automatisch gesund zu leben, ist falsch.“ Denn viele der angebotenen Lebensmittel seien hoch verarbeitete Fertigprodukte, die mit Zusätzen versehen sind und mit gesunder Ernährung nur noch wenig zu tun haben: „Ob vegan oder nicht vegan: Fertigprodukt ist Fertigprodukt.“

Pflanzlicher Ersatz für Milch und Fleisch liefert kein Vitamin B12

Auch bei einem veganen Lebensstil gelte es, auf ausgewogene Ernährung zu achten. „Selbst bei veganen und Bio-Produkten gilt: um einen gesundheitlichen Vorteil zu bekommen, muss man sein Ernährungsverhalten im Auge behalten.“ Der Ernährungswissenschaftler rät daher dazu, sich bei der Entscheidung zum Verzicht auf tierische Produkte qualifiziert beraten zu lassen. „Wer sich vegan ernähren möchte, muss sich intensiv damit beschäftigen.“ Ein gesundheitliches Risiko der veganen Ernährung sieht der Ernährungswissenschaftler bei der Nährstoffzufuhr. Wer tierische Produkte einfach durch pflanzliche ersetze, so Prof. Dr. Grimm, riskiere seine Gesundheit: „Pflanzliche Ersatzprodukte für Fleisch und Milch liefern manche Nährstoffe einfach nicht, zum Beispiel Vitamin B12.“

Zwar würden Produkte wie Algen oder Shiitake-Pilze als Lieferanten für Vitamin B12 beworben. „Doch nur weil das Vitamin in diesen Produkten enthalten ist, heißt das noch lange nicht, dass der Körper es auch daraus gewinnen kann.“ Nach dem heutigen Wissensstand sei das bei den meisten Menschen nicht in ausreichender Menge möglich.

Ohne Nahrungsergänzungsmittel geht es für Veganer nicht 

Der Mangel an Vitamin B12 könne allerdings durch Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel in Form von Vitamintabletten, ausgeglichen werden, so Grimm. Für einige Bevölkerungsgruppen sei aber auch das nicht ausreichend: „Für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche kann man eine vegane Ernährung nicht empfehlen, da diese Gruppen mehr Nährstoffe brauchen.“

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