Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Sommer-Special: Mineralien und Vitamine für Weidepferde

Dr. Kathrin Irgangs Tipps zu Supplements, Selen, Schwitzen und Salz

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Allein von Gras und Wasser kann kein Pferd leben: Eine Ergänzung mit Mineralien ist notwendig. Allein von Gras und Wasser kann kein Pferd leben: Eine Ergänzung mit den passenden Mineralien ist notwendig.

Brauchen Weidepferde eigentlich Mineralfutter? Oder ist im Gras alles Lebenswichtige drin? Dr. Kathrin Irgang, Tierärztin und Ernährungs-Spezialistin für Pferde aus Berlin, sagt dazu klipp und klar: „Einige Stunden Weide täglich reichen definitiv nicht aus, um zu einer Grundration aus Heu und Getreide den Bedarf an Mineralien und Vitaminen zu decken!“

Tierärztin Dr. Kathrin Irgang aus Berlin ist auf die Ernährungsberatung bei Pferden spezialisiert. Foto-Copyright: Irgang

Tierärztin Dr. Kathrin Irgang aus Berlin ist auf die Ernährungsberatung bei Pferden spezialisiert. Foto-Copyright: Irgang

Als Supplementierung zum Gras empfiehlt Kathrin Irgang:

Bei 24 h Weidegang ein Weidemineralfutter mit den Spurenelementen Kupfer (Cu), Zink (Zn) und Selen (Se), ohne Vitamine + Salzleckstein. Fettlösliche Vitamine (A, D, E) sind genügend im Weidegras vorhanden. Heuanalysen (Lufa Nordwest, Durchschnittswerte 2013 und 2014) zeigen, dass gerade bei den Spurenelementen Cu, Zn und Se bei reiner Raufuttergabe (Gras, Heu, Heulage) Defizite zu erwarten sind. Eisen (Fe) und Mangan (Mn) sind dagegen im Weidegras ausreichend vorhanden.

Bei wenigen Stunden Weide täglich und mindestens 20 cm Grasaufwuchs: komplettes vitaminisiertes Mineralfutter anbieten (zum Getreide) oder ein Ergänzungsfutter (Müsli, Pellets) passend zu Heu/Heulage füttern. Dazu gibt’s auch für diese Pferde einen Salzleckstein.

Die sogenannten Mengenelemente Kalzium (Ca), Phosphor (P), Kalium (K) und Magnesium (Mg) sind ausreichend im Weidegras vorhanden für Erhaltung und Leichte Arbeit; also für die meisten unserer Pferde, die freizeitmäßig geritten werden. Der Ca-Gehalt im Gras nimmt ab mit zunehmenden Rohfaser-Gehalt: Ein später, stängelreicher erster Schnitt hat weniger Kalzium als z.B. ein zweiter blattreicher Schnitt). Kräuter- oder kleereiches Raufutter oder Luzerne enthält genügend Ca.

Beim Kalzium-Phosphor-Verhältnis (Ca-P-Verhältnis) kann es eng werden, wenn viel Heu von späten ersten Schnitten gefüttert wird oder wenn bei Sportpferden das Getreide-Kraftfutter mit spät geschnittenem Heu kombiniert wird. Hier empfiehlt es sich, Ca-haltiges Mineralfutter zu füttern oder einen Teil des Getreides durch Ergänzungsfutter (Müsli, Pellets) zu ersetzen.

Achtung bei Reduktionsdiät zum Abnehmen: Sobald das Heu rationiert wird, sollte ein vitaminisiertes Mineralfutter angeboten werden.

„Das Spurenelement Selen (Se) braucht besondere Beachtung, auch wenn das Risiko Selen-Mangel nicht ganz so drastisch ist wie oft dargestellt. Man muss es differenziert betrachten und lieber kontrollieren und analysieren, bevor man Selen blind drauflos füttert:“

1. Selen-Kontrolle über die Rationsberechnung: Im Raufutter (Gras, Heu, Heulage) ist Selen praktisch nicht vorhanden, daher sollte der Tagesbedarf über Ergänzungsfutter/Mineralfutter gedeckt werden (Beispiel: 1,2 mg Selen/Tag für ein erwachsenes 600 kg Pferd nach GfE-Empfehlung 2014). Die ergänzende Fütterung ist als anorganisches oder organisch gebundenes Selen möglich.

2. Selen-Versorgung im Blut des Pferds messen: Aktuell wird diskutiert, ob der Referenzbereich für Selen im Blutbild nach unten angepasst wird, denn bei starker Überdosierung erreicht der Spiegel im Blut ein Plateau, steigt also nicht mehr weiter. Symptome für eine Selen-Vergiftung sind der Verlust von Langhaar, also Mähne und Schweif, bis hin zur Hufrehe und zum Ausschuhen. In so einem Fall ist es besser, Hufhorn und Haare analysieren lassen! 

Tierärztin und Ernährungsberaterin Dr. Kathrin Irgang checkt den Body Condition Score BCS eines ihrer Patienten. Foto-Copyright: Irgang

Tierärztin und Ernährungsberaterin Dr. Kathrin Irgang checkt ihre Patienten auch auf der Weide. Foto-Copyright: Irgang

Das Problem der Überversorgung mit Selen besteht vor allem, wenn Futter unüberlegt kombiniert wird: zum Beispiel Müsli + Mineralfutter + Spezialzusatz für gutes Hufhorn. Eine Überdosis Selen kann lebensbedrohlich werden, auch eine chronische Vergiftung kommt vor. In jedem Fall rate ich zu einer Rationsberechnung, ggf. auch zu einer Blutuntersuchung und zu einer Raufutteranalyse auf Selen. In Deutschland sind die Böden eher arm an Selen. In England ist das anders, daher enthalten englische Ergänzungsfuttermittel oft kein Selen.

„Salz füttern bei Schwitzen: Pferde müssen danach trinken!“

Beim Schwitzen verlieren Pferde Natrium (Na), Kalium (K) und Chlor (Cl). Kalium ist mehr als reichlich im Raufutter (Gras, Heu, Heulage) vorhanden. Ergänzung von Salz ist wichtig; die Pferde müssen danach trinken können (und wollen!). Vorsicht bei Salzgabe vor einer Belastungsleistung, etwa beim Turnier, auswärts, wenn Pferde mit dem fremden Wasser mäkeln! Lieber das Salz nach der nach Belastung ergänzen und das Wasser dann besser aus einem großen Eimer oder Trog anbieten als aus der Selbsttränke.

Ab starkem Schwitzen (Schweiß-Score 3-5) verdoppelt sich der Na-Cl-Bedarf bzw. verdreifacht sich bei mittlerer bis schwerer Arbeit. Dann reicht der Salzleckstein nicht mehr, das Sportpferd (600 kg) braucht dann täglich eine Salzzulage von 2-4 Esslöffeln Viehsalz oder Kochsalz. Wichtig ist bei der Salzfütterung, dass die Salzaufnahme geübt wird, damit das Pferd das Salz akzeptiert.

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