Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Die gesunde Silhouette: Rund in Versammlung, Arbeitshaltung, Dehnung

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Versammlung: kurze, runde Silhouette, vorwärts-aufwärts. Arbeitshaltung: mittlere, runde Silhouette, vorwärts. Dehnung: lange, runde Silhouette, vorwärts-abwärts. Foto-Copyright: Schendzielorz/Kosmos Versammlung: kurze, runde Silhouette, vorwärts-aufwärts. Arbeitshaltung: mittlere, runde Silhouette, vorwärts. Dehnung: lange, runde Silhouette, vorwärts-abwärts. Foto-Copyright: Schendzielorz/Kosmos

„Spiele oft mit der Silhouette deines Pferdes, so beugst du Überlastung vor und baust Muskulatur leichter auf“: Dieser Tipp stammt von Dressur-Coach Dr. Tuuli Tietze. Sie ist eine meiner Lieblings-Trainerinnen und von Anfang an bei FREUNDPFERD mit von der Partie. In ihrem ersten Buch „Reiten mit inneren Bildern“ beschreibt sie verblüffend wirksam, wie wir durch pure Vorstellungskraft unseren Sitz und die Körperhaltung unserer Pferde verbessern können. Hier ist ein exklusiver Auszug aus dem Buch, das im Kosmos Verlag erschienen ist.

Im Wesentlichen lassen sich drei Haltungen unterscheiden, die an der Oberlinie deines Pferdes gut auseinanderzuhalten sind – weshalb ich sie als Silhouetten bezeichne:

Versammlung: Die Oberlinie ist kurz und rund mit deutlicher Bergauftendenz. Die Hinterhand lastet maximal und fußt vermehrt aufwärts ab. Das Pferd trägt sich in guter Selbsthaltung, ist von hinten „geschlossen“. Sein Genick ist der höchste Punk, sein Hals nach oben gerundet, etwa wie ein Viertelkreis, und es scheint vorne zu wachsen.

Arbeitshaltung: Die Silhouette ist länger, doch auch rund. Die Hinterhand tritt aktiv, fußt vorwärts ab. Das Pferd arbeitet durch seinen ganzen Körper hindurch. Sein Genick ist tiefer als in der Versammlung, der Hals länger.

Dehnung: Die Oberlinie ist lang und rund. Die Hinterhand schwingt aktiv durch, fußt energisch vorwärts. Die Nase dehnt sich etwa bis auf Höhe des Buggelenks, der Hals ist lang und tief, aber nach wie vor in seiner Oberlinie aufwärts gewölbt.

Für alle drei Haltungen gilt: Die Nasen-Stirn-Linie deines Pferdes ist vor der Senkrechten, es dehnt sich an deine Hand und wölbt den Rücken auf. In der Versammlung wirkt das optisch eher wie ein Aufrichten der Vorhand, in der Dehnung ist der gewölbte Rücken klar an der brückenförmigen Oberlinie zu erkennen. Alle drei Silhouetten abzugrenzen und zu variieren hilft, stets den richtigen Energielevel parat zu haben, Pausen gut zu managen und die Lektionen zu fördern.

Deine Hilfen kurz gefasst

„Sammle“ dein Pferd für alle drei Haltungen mit Sitz und Schenkeln von hinten ein und engagiere die Hinterhand, damit sie stets unter den Schwerpunkt tritt. Gib dabei selbst den Energielevel vor, den du von deinem Pferd in der entsprechenden Silhouette erwartest:

Versammlung: Versammle dich selbst, aufrecht aus dem Becken heraus und deutlich kürzer im Becken mitschwingend.

Arbeitshaltung: Entspanne deinen Sitz im Vergleich zur Versammlung etwas, sitze insgesamt mit geringerem Muskeltonus. Schwinge dabei im Becken „aktiv folgend“ größer im Bewegungsrhythmus deines Pferdes mit als in der Versammlung.

Dehnung: Entspanne deinen Sitz deutlich, entlaste leicht, indem du deinen Oberkörper eine Nuance nach vorn neigst, und lass dich im Becken groß nach vorn schwingend mitnehmen.

Das Prinzip innerer Bilder: 1. Mach dir die Hilfengebung für eine Lektion (z.B. für eine Traversale) bewusst. 2. Verknüpfe deine Hilfen mit einprägsamen Gedankenbildern: Böge z.B. gedanklich dein Pferd wie eine Banane um deinen inneren Schenkel, um das Vorwärts-Seitwärts der Traverse vorzubereiten und nimm diese Bewegung fließend mit. 3. Reite die Lektion oft mental mit allen Sinnen durch, als ob du auf dem Pferd säßest. 4. Erinnere dich im Sattel an die markanten inneren Bilder, wenn du eine Traversale vorbereitest und reitest. Foto-Copyright: Schendzielorz/Kosmos.

Das Prinzip innerer Bilder: 1. Mach dir die Hilfengebung für eine Lektion (z.B. für eine Traversale) bewusst.
2. Verknüpfe deine Hilfen mit einprägsamen Gedankenbildern: Biege z.B. gedanklich dein Pferd wie eine Banane um deinen inneren Schenkel, um das Vorwärts-Seitwärts der Traversale vorzubereiten und nimm diese Bewegung fließend mit.
3. Reite die Lektion oft mental mit allen Sinnen durch, als ob du auf dem Pferd säßest.
4. Erinnere dich im Sattel an die markanten inneren Bilder, wenn du eine Traversale vorbereitest und reitest. Foto-Copyright: Schendzielorz/Kosmos.

Stell dir vor …

… die Silhouette deines Pferdes über deine eigene Sitz- und Energieposition aktiv zu formen. Dabei beginnst du immer zuerst, dich selbst „einzusammeln“ bzw. deinen Sitz zu entspannen, wenn du dein Pferd von hinten heranschließen bzw. dehnen möchtest.

Fühl dich ein …

… in die Perspektive deines Pferdes. Diese Übung ist wieder für zwei gedacht: Einer steht als „Pferd“ vorn und schließt die Augen. Der „Reiter“ legt seine Hände auf die Schultern seines Vordermanns und variiert seine Körperspannung von versammelt bis deutlich entspannt. Das „Pferd“ erfühlt die Körpersprache des „Reiters“ und imitiert sie mit seinem Körper. Was kommt an? Wo musst du deutlicher sein, damit dein „Pferd“ dich so wahrnimmt, wie du wirken möchtest?

Stelle fest, wie du wirklich wirkst! Stimmt dein Gefühl mit deiner tatsächlichen Außenwirkung überein? Welches Feedback bekommst du in dieser Hinsicht von deinem Trainingspartner? Foto-Copyright: Schendzielorz/Kosmos

Stelle fest, wie du wirklich wirkst! Stimmt dein Gefühl mit deiner tatsächlichen Außenwirkung überein? Welches Feedback bekommst du in dieser Hinsicht von deinem Trainingspartner? Foto-Copyright: Schendzielorz/Kosmos

Vertiefe dein Verständnis

  • Worin unterscheiden sich die drei Grundsilhouetten deines Pferdes?
  • Was musst du mit deinem Körper tun, um welchen Energielevel zu vermitteln und welche Silhouette zu erreichen?

Hier erfahrt ihr mehr über das Buch und könnt es direkt bestellen (29,99 Euro, versandkostenfrei in Deutschland):

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