Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Fressen, Schubbern, Wälzen: Tipps für den Fellwechsel-Alltag

In der Pferdevilla sind die Haare los: Was hilft Pferden jetzt?

2

In den Futterständern können die Offenstall-Pferde das ganze Jahr über in Ruhe ihr Heu fressen. In Futterständern können Offenstall-Pferde das ganze Jahr über in Ruhe ihr Heu fressen.

Sonja und Andreas Schmid haben 45 Pferden in Gechingen bei Stuttgart eine Villa gebaut: einen 5-Sterne-LAG-Aktivstall mit Computerfütterung. In unserer neuen Kolumne auf FREUNDPFERD erzählen sie, was sie füttern, welche Stallprobleme sie gerade lösen und woran sie täglich tüfteln, damit ihre Pferde gesund und glücklich bleiben. Gucken wir doch mal, was wir uns im März in der Pferdevilla abgucken können!

Das Pferdevilla-Chef-Team: Sonja und Andy Schmid mit zweien ihrer Pferde.

Das Pferdevilla-Chef-Team: Sonja und Andy Schmid mit zweien ihrer Pferde.

… zum Thema Füttern

Wir kontrollieren täglich die Ration des abgeholten Kraftfutters am Computer. Sollte ein Pferd sein Futter nicht abholen oder nur eine geringe Menge, dann erscheint dieses Pferd auf dem Fehlerprotokoll. Das bedeutet für uns: Wir schauen nach, warum diese Pferd zu wenig gefressen hat. Da wir die Pferde morgens noch zusätzlich zu den Futterautomaten in den Futterständern füttern, können wir bereits hier ungewöhnliches Fressverhalten feststellen und reagieren. Da die Tiere im Winter und jetzt im Fellwechsel einen erhöhten Energiebedarf haben, muss das Futter entsprechend angepasst werden: Wir erhöhen entweder die Heu- bzw. Kraftfutterration oder auch beides. Älteren Pferden bieten wir generell den 24-Stunden-Heubereich an. Sollte das alles nicht ausreichen, können wir im Futterstand zusätzlich füttern.  Aktuell haben wir z. B. eine ältere Stute, die auf diese Weise eingeweichte Rübenschnitzel und Leinöl zugefüttert bekommt. Natürlich sprechen wir die Änderung der Futterration mit den Pferdebesitzern ab und beraten diese auch gerne.

Durch die Computerfütterung hat der Stallbetreiber den genauen Überblick, welches Pferd täglich wie viel Futter im Futterständer abgerufen hat.

Durch die Computerfütterung hat der Stallbetreiber den genauen Überblick, welches Pferd täglich wie viel Futter im Futterständer abgerufen hat.

… zum Thema gesunde Pferdefigur

Wir prüfen täglich den Gesundheitszustand unserer Pferde. Dazu gehört auch die Figurkontrolle. Als Basis dafür kommt ein- bis zweimal im Jahr die „Mobile Pferdewaage“ und wiegt die Tiere. Auch Fotos werden beim Wiegetermin gemacht, so dass man – auch wenn man sein Pferd täglich sieht – einen guten Vergleich hat.

… zum Thema Appetit im Fellwechsel

Die Pferde fressen allgemein mehr im Fellwechsel. Wir können das über die Befüllung der Strohraufe und der Heuautomaten feststellen. Diese müssen wir in der Zeit des Fellwechsels öfters befüllen. Die Pferde gehen häufiger in die Kraftfutterstation und die Raufutterstationen. Gut ist, dass wir hier die Fresszeiten sowie die Futtermengen individuell anpassen können.

… zum Thema Zusatzfutter im Fellwechsel

Wir weisen im Frühjahr und im Herbst die Pferdebesitzer auf den bevorstehenden Fellwechsel und den Mehrbedarf an Energie hin. Vor allem bei älteren Pferden greifen wir oft auf die Zufütterung geeigneter Nahrungsergänzungsmittel wie Leinsamen, Leinöl oder Bierhefe zurück. Ältere Pferde tun sich meist schwerer mit dem Fellwechsel und müssen auch häufiger geputzt werden. Sollte der Fellwechsel extrem langsam voran gehen und sogar in den warmen Monaten noch Fell nachwachsen, hilft nur noch das Scheren. Damit lassen sich unnötiges Schwitzen sowie Kreislauf- und Atemprobleme vermeiden.

In der Pferdevilla Gechingen holen sich die Pferde an mehreren Stellen ihr Futter ab: im Futterständer, an der Strohraufe oder im Ad-libitum-Bereich, zu dem nur schwerfuttrige Pferde Zugang haben.

In der Pferdevilla Gechingen holen sich die Pferde an mehreren Stellen ihr Futter ab: im Futterständer, an der Strohraufe oder im Ad-libitum-Bereich, zu dem nur schwerfuttrige Pferde Zugang haben.

… zum Thema Ein- und Abdecken im Frühjahr

Bei uns verzichten die Pferdebesitzer auf das Eindecken, wenn irgend möglich. Zum einen stellt das Eindecken in der Gruppenhaltung eine erhöhte Verletzungsgefahr dar. Zum anderen möchten wir die Pferde so natürlich wie möglich halten und damit auch nicht in die Thermoregulierung über das Fell eingreifen. Pferde, die bei uns im Aktivstall leben, werden durch ihren Naturpelz bestens geschützt, auch wenn das Winterfell erst nach vielen Stunden trocknet. Deshalb raten wir, die Pferde nicht regelmäßig schweißnass zu reiten. Eindecken heißt: große Verantwortung für Pferdebesitzer! Es bleibt natürlich jedem Besitzer selbst überlassen, ob er sich dieser großen Verantwortung stellen kann. Wer dennoch den Wunsch verspürt, sein Pferd eindecken zu müssen, der kann sowohl das Ein- und Abdecken als Serviceleistung zusätzlich buchen oder dieses auch selber tun. Es werden nur bestimmte Pferdedecken zugelassen, um das Verletzungsrisiko zu vermeiden. Im Moment haben wir nur ein Pferd in der Seniorenresidenz, welches eingedeckt ist. Sobald es jetzt wärmer wird, braucht auch diese Stute keine Decke mehr tragen. Entscheiden wird dies ihre Besitzerin.

… zum Thema Pflege im Fellwechsel

Im Aktivstall, in der Seniorenresidenz und auch in der Wallach-/Hengstgruppe haben wir Kratzbürsten angebracht, an denen die Pferde sich schubbern können. Im Fellwechsel werden diese Kratzbürsten sehr gerne genutzt. Wir sehen das, da wir diese jetzt im Frühjahr öfters säubern als außerhalb der Fellwechselzeit. Einigen Pferden gefällt es, sich der Haare beim Wälzen zu entledigen: Vor allem die Robustrassen wie Isländer, unsere Ponys und Friesen wälzen sich jetzt im Fellwechsel hingebungsvoll sogar auf unseren Gittersteinen im Paddock. Das scheint ihnen gut zu tun. Andere Pferde bevorzugen eher das Stroh zum Wälzen. Dass sich die Pferde gegenseitig  mit den Zähnen bei der Fellpflege helfen, beobachten wir das ganze Jahr.

Genusspflege: Beim Wälzen werden Pferde auf natürliche Weise ihre überflüssigen Haare los. Foto: Sonja Schmid

Genusspflege: Beim Wälzen werden Pferde auf natürliche Weise ihre überflüssigen Haare los. Foto: Sonja Schmid

… zum Thema Pferdehaare entsorgen

Wir kehren die Haare täglich zusammen und entsorgen sie über den Mist. Der Mist wird längere Zeit auf der Dungplatte zwischengelagert. Die Ausbringung erfolgt nach der Ernte auf betriebseigenen Äckern, so dass die Wiesen und Koppeln von den Mengen an ausgebürsteten Pferdehaaren nicht betroffen sind.

Weitere Rezepte für den Fellwechsel und Tipps aus der Pferdevilla:

5 Tipps vom Tierarzt inklusive Gratis-Webinar: So kommen Pferde gesund durch den Fellwechsel

Das Rezept gegen Matsch, Glätte und Stolpern

Interview mit Sonja Schmid: „In jedem Stall schaue ich in die Augen der Pferde“

Und hier geht’s zur Pferdevilla!

2 Kommentare

  1. Sehr gut verfasster Artikel mit Tips zum „Fellwechsel“ beim Pferd, besonders Lobenswert die Aufschlüsselung mit Hintergrundinformationen. Der Punkt „Zusatzfutter“ ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, Zusatzfutter ist richtig Dosiert ein wichtiger Energielieferant für Pferde.

    • Danke für Ihr Feedback. Wichtig ist das passende Zusatzfutter, die Abstimmung auf das Grundfutter und die Beschränkung auf das Vernünftige. Lieber nicht zu viele verschiedene Säcke, Eimer und Dosen. Viele Grüße Christine Felsinger

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*