Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Trainings-Tagebuch, Teil 3: Der Weg zur Wohlfühl-Biegung

Rück- und Fortschritt: Wie wir Hüpflaune und ein dickes Bein überwinden

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Spaziergänge legen wir ein, wenn wir eine Reitpause brauchen, uns entspannen oder warmlaufen. Wobei ich das Knotenhalfter bevorzuge, es sei denn, wir gehen hinterher Spaziergänge legen wir ein, wenn wir eine Reitpause brauchen, uns entspannen oder warmlaufen. Wobei ich das Knotenhalfter bevorzuge, es sei denn, wir gehen hinterher "richtig" longieren.

Immer samstags schreibe ich auf, wie die Woche lief bei Maya und mir. Nun ja: Zwei Wochen lief fast gar nichts. Wir sind in unserem Figur-Training nach wie vor beim Thema geschmeidiges Biegen und haben von Trainerin Dr. Tuuli Tietze Schleifen, Schulter-Klick und Ohrenzirkel als Hausaufgaben bekommen. Unsere hoffnungsvollen Ansätze versandeten freilich im Round Pen, weil bereits montags beim Longieren Hüpflaune angesagt war. Und so war irgendwie die ganze Woche verkorkst.

Wer Hüpflaune nicht kennt: Glückwunsch! Bei Maya bedeutet es vor allem in der Dämmerung, bei starkem Wind oder bei anderen ungünstigen Konstellationen, dass jedes Knistern hinterm Round Pen und jedes Knacken in der Hecke starke Verdachtsmomente sind: Hier lauert mindestens der Tod. Wenn nicht gar ein LED-Leucht-Hund oder einfach eine schrecklich kleine Raschelmaus.

Ich habe vieles ausprobiert in 19 Maya-Jahren, ein Dutzend Trainer befragt und konsultiert, wie man diese plötzlichen Stimmungswechsel von 0 auf 180 am besten einfängt. Ich habe viele Tipps bekommen und gelernt: Sensitivität und reaktives Temperament sind angeboren und lassen sich halbwegs in Bahnen lenken. Aber aus meiner Araber-Appaloosa-Stute wird in diesem Leben keine Schlaftablette mehr. Ist ja auch gut so. Das Gezappel ist weniger geworden. Meist hilft es, dies einfach zu ignorieren. Oder gut zuzureden, am besten mit einem gewohnten Beruhigungs-Ton, den ich betont langsam und mit tiefer Stimme wiederhole: „Alles okay, Maychen“ hilft ganz gut, weil es auch mich beruhigt.

Ansonsten: regelmäßig vertrauensbildende Maßnahmen. Bodenarbeit nach Anleitung von Michael Geitner oder Kenzie Dysli. Einen Tag in Ruhe lassen, und die Herde erledigt das. Alles, bloß nicht aufregen.

Letzte Woche war alles nix, und auch Mayas Co-Reiterin Christiane hatte an ihren beiden Kümmer-Tagen vorwiegend Kummer: Sogar beim monatlichen Dual-Aktivierung-Kurs vergangenen Samstag war die zweite Trainingshälfte zum Davonlaufen und Kopf-in-die-Luft. Fand Maya. Die Trainerin hat dann auch aufgegeben.

Abgehakt: Letzten Sonntag lief alles wie am Schnürchen. Butterweich, konzentriert und locker sind wir im Trab unsere Bahnen durch den Ebbe-und-Flut-Hallensand geschwommen, haben Schleifen gedreht und den Ohrenzirkel erst mal weggelassen. Ich bin in solchen Momenten immer froh, dass wir die Spur wieder gefunden haben, auch wenn die Erfahrung lehrt: Rückschritte sind normal, und anschließend geht es sogar mit mehr Motivation weiter. Wenn wir nur Geduld mitbringen und wenn wir die Nerven behalten und wenn… das Pferd gesund bleibt.

Wenn wir es aber drei Tage später mit Beule auf der Strecksehne aus dem Offenstall holen und das Pferd schon beim Führen in engen Wendungen Aua sagt, müssen wir erst mal einen Rastplatz ansteuern auf dem Weg zur Wohlfühl-Biegung. Von Mittwoch bis gestern war also lockeres Spazierengehen über die Felder angesagt, die Beule war danach zum Glück weg.

Heute Mittag dann Land in Sicht: Maya kommt beim Spazierengehen flott aus den Puschen des Appaloosas und schlüpft in ihre arabischen Siebenmeilenstiefel, dass mir fast die Puste ausgeht

So süß, wie munter sie 90 Spazier-Minuten neben mir durch sonnengetränkte Weinberge stapft. Also gleich den Schwung mitgenommen und im Round Pen getestet, was das lädierte Beinchen zur Biegung sagt. Kein Schmerz, kein Problem, keine Beule. 10 Minuten Bodenarbeit mit Folgen, Weichen und Beine kreuzen. 15 Minuten konzentrierte Trabzirkel am Knotenhalfter in hübscher Haltung. 5 Minuten die ersten leckeren Grashalme vorsichtig probiert. Morgen wird wieder geritten und angegrast. Ohrenzirkel und Wiese, wir kommen!

Tuuli Tietze ist meine Lieblings-Expertin bei FREUNDPFERD, wenn es um faire Lösungen für Reitprobleme geht. Foto: Schendzielorz/SMARTreiten

Tuuli Tietze ist meine Lieblings-Expertin bei FREUNDPFERD, wenn es um faire Lösungen für Reitprobleme geht. Foto: Schendzielorz/SMARTreiten

Die ersten Folgen unseres Trainings-Tagebuchs und Tuulis Anleitung zur Wohlfühl-Biegung

Trainings-Tagebuch, Teil 2: Der Weg zur Wohlfühl-Biegung

Trainings-Tagebuch, Teil 3: Was macht mein Pferd schief? Und wie biege ich es gleichmäßig?

Tuuli Tietzes Anleitungen zur Wohlfühl-Biegung

Buch-Empfehlung: Tuulis erster Trainingsratgeber „Reiten mit inneren Bildern“

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