Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

So spürt der Reiter das Pferdemaul

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Der feine Zügelkontakt ist für jede Lektion wichtig, auch fürs das Stellen und Biegen. Foto: Wiemer Der feine Zügelkontakt ist für jede Lektion wichtig, auch fürs das Stellen und Biegen. Foto: Wiemer

Was ist eigentlich Zügelkontakt? Und was ist Anlehnung? FREUNDPFERD-Sitz-Expertin Sibylle Wiemer fällt auf, dass viele Reiter das nicht wirklich verstehen und umsetzen können. Deshalb hat sie im Blog eine einfache Merkhilfe und eine schnelle Übung parat, die jeder von uns leicht nachmachen kann!

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN schreibt Anlehnung so vor: „Anlehnung ist die weiche und konstante Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul. Anlehnung besteht, wenn das Pferd an das Gebiss herantritt, gleichgültig in welchem Rahmen.“ Und auf die Frage, wie es zu Anlehnungsproblemen kommen kann, betet jeder Reitschüler herunter, dass ein Pferd „am Zügel, gegen den Zügel, über dem Zügel und hinter dem Zügel“ gehen kann. Der Begriff „hinter dem Zügel“ wird sogar noch mit der Betonung ausgebaut, dass das Pferd keinen falschen Knick haben oder aufgerollt werden darf.

Ich beobachte allerdings, dass Reiter im Alltag nicht ausreichend unterscheiden, ob ein Pferd in Anlehnung geritten, beigezäumt oder aufgerichtet wird. Beizäumung ist der Prozess, in dem das Pferd bei aktiver Hinterhand und schwingendem Rücken die Oberlinie mehr aufwölbt, so dass das Genick der höchste Punkt ist und der Nasenrücken sich der Senkrechten nähert.

Wie kann ein Reiter sich um konstante Anlehnung zum Pferdemaul bemühen?

Zunächst einmal ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass das Pferdemaul in allen drei Gangarten in Bewegung ist. Beim Schrittreiten bewegt es sich nicht nur mit der Bewegung nach vorne, sondern auch auf der Linie einer aufrecht-liegenden Acht. Im Trab bewegt sich das Pferdemaul ausgeprägter nach vorne sowie auf und ab. Im Galopp vollzieht der Pferdekopf und damit auch das Pferdemaul eine Art Kreisbewegung nach vorne und oben.

Daran wird deutlich, dass die leider noch immer typische Reitlehrer-Anweisung „Halt die Hände still“ für Gehirn und Körper des Reiters (und damit auch fürs Pferdemaul) fatale Folgen hat. Es muss korrekterweise heißen: „Bewegen Sie Schulter-, Ellbogen-, Hand- und Fingergelenke so, dass diese dem sich bewegenden Pferdemaul folgen.“ Das Mitgehen des Reiters mit der Bewegung des Pferds ist also keine reine Beckenbewegung! Auch der Oberkörper, die Hände und Arme des Reiters denken vorwärts und bewegen sich vorwärts.

Meine einfache, wirksame Übung zum Zügelkontakt

Ziehen Sie Ihre Reithandschuhe aus, und tragen Sie Ihre Hände frei vor dem Bauch. Natürlich sitzen Sie dabei auf dem Pferd, sonst geht es ja nicht 😉 Nehmen Sie den Zügel soweit auf, dass Sie das Pferdemaul spüren können. Geben Sie keine Hilfen zur Beizäumung, sondern versuchen Sie mit entspannten Armen den Bewegungen des Pferdemauls zu folgen. Der Kontakt, die Verbindung oder die Anlehnung zum Pferdemaul bleibt dabei so gleichmäßig wie möglich erhalten. Tragen Sie dabei Ihre Hände frei, als würden Sie zwei Kerzen tragen oder, wie es früher hieß, zwei Wassergläser. In Ihren Fingern erfühlen Sie gleichmäßigen Zug am Zügel – ganz leicht! Es darf sich nicht schwerer als ein Päckchen Butter anfühlen.

Sibylle Wiemer aus Fintel bei Hamburg ist FN-Reitlehrerin A und Diplom-Pädagogin. Bei FREUNDPFERD ist sie meine Expertin für Reit-Tipps rund um die Wohlfühl-Figur. Foto-Copyright: Wiemer

Sibylle Wiemer aus Fintel bei Hamburg ist FN-Reitlehrerin A und Diplom-Pädagogin. Bei FREUNDPFERD ist sie meine Expertin für Reit-Tipps rund um die Wohlfühl-Figur. Foto-Copyright: Wiemer

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