Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Speck weg mit dem Heunetz-Spiel

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Figurfreundliches Fress-Spiel: Der Norweger Ragi ist gut beschäftigt mit dem frei baumelnden Heunetz. Figurfreundliches Fress-Spiel: Der Norweger Ragi ist gut beschäftigt mit dem frei baumelnden Heunetz.

Was tun, wenn Pferde wenig arbeiten, gut beschäftigt sein sollten und trotzdem nicht zunehmen dürfen? Das war auch bei Norweger-Wallach Ragi (20) ein heikles Thema, denn Norweger sind gute Futterverwerter. Die Rettung: ein Heunetz zum Spielen und Sparen, das frei am Baum baumelt. Es bietet Pferden Denk-, Kau- und Koordinationsaufgaben.

Ausgebildet bis Dressur Klasse L/M, später Freizeit- und Voltigier-Pferd, genießt Ragi seit 2010 sein Rentnerdasein als Ruhepol in der Herde von Physiotherapeutin Angelika Wohlfarth. Ragi ist Kinderpony zum  Putzen, Kuscheln und Reiten und steht im Offenstall.

Rund um die Uhr kann er Heu fressen, und zwar aus einem frei baumelnden Heunetz, mit dem Fressen zum Spiel wird. Daran muss man die Pferde erst gewöhnen. Zunächst mit größerer Maschenweite (Angelika Wohlfarth hat mit 5 x 5 Zentimeter begonnen) und mit einem an der Wand befestigten Netz. Dann wurde die Maschenweite auf 4 x 4 Zentimeter verkleinert, jetzt sind es 3 x 3 Zentimeter. Inzwischen hängt Angelika Wohlfarth das Heunetz so auf, dass es schwingen kann. Also etwa an einem Balken im Stall oder an einem Baum. Das hat Ragi schnell akzeptiert, genau wie seine Pferdekumpel: „Es gibt keinerlei Gifteleien, im Gegenteil. Die Pferde sind gut beschäftigt und fressen zum Teil sogar zu zweit aus einem Netz.“

Das Energie-Spar-Heunetz hat eine Maschenweite von 3 x 3 Zentimetern.

Das Energie-Spar-Heunetz hat eine Maschenweite von 3 x 3 Zentimetern.

Ragi wiegt auf diese Weise konstant zwischen 455 und 465 Kilo, nimmt also trotz Rentnerdasein nicht zu. FREUNDPFERD-Expertin Angelika Wohlfarth beobachtet noch mehr Interessantes:

„Die Pferde bevorzugen fast immer das Heu im Netz, auch wenn wir parallel dazu auch loses Heu anbieten. Das beobachten wir sowohl bei den Boxenpferden als auch bei den Pferden in der Offenstall-Gruppe.“

Das Fressen aus dem Netz ist selbst für Pferde mit Handicaps unproblematisch nach Erfahrung von Angelika Wohlfarth: „Unserem Knabstrupper Hagall fehlen drei Schneidezähne, und er kommt dennoch ohne Einschränkungen mit dem Heunetz klar. Auch über unserer Heuraufe haben wir ein Heunetz. Bei Hagall macht das unabhängig vom Training eine Gewichts-Differenz von 30 Kilo aus: Ist die Heuraufe nicht mit dem Netz überspannt, wiegt er innerhalb von ein paar Tagen etwa 30 bis 40 Kilo mehr. Ich vermute, das liegt daran, dass das größere Heu-Volumen auch mehr Wasser speichert.“

Physiotherapeutin Angelika Wohlfarth ist FREUNDPFERD-Expertin.

Physiotherapeutin Angelika Wohlfarth ist FREUNDPFERD-Expertin.

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