Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Winterfutter: So klappt’s mit Heu und Wasser!

Die FREUNDPFERD-Kolumne über gesunde Pferdehaltung und Fütterung

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An der Schwimmertränke: Pferde müssen immer freien Zugang zum Wasser haben, im Winter wie im Sommer. An der Schwimmertränke: Pferde müssen immer freien Zugang zum Wasser haben, im Winter wie im Sommer.

Sonja und Andreas Schmid haben 45 Pferden in Gechingen bei Stuttgart eine Villa gebaut. In unserer neuen Kolumne auf FREUNDPFERD erzählen sie, was sie füttern, welche Stallprobleme sie gerade lösen und woran sie täglich tüfteln, damit ihre Pferde gesund und glücklich bleiben. Gucken wir doch mal, was wir uns diesen Monat in der Pferdevilla abgucken können!

Das Pferdevilla-Chef-Team: Sonja und Andy Schmid mit zweien ihrer Pferde.

Das Pferdevilla-Chef-Team: Sonja und Andy Schmid mit zweien ihrer Pferde.

Im Winter dreht sich alles um die Grundnahrungsmittel unserer Pferde: Wasser und Heu. Beides ist im Winter überlebenswichtig und kann knapp werden, wenn die eigene Heu-Ernte mau ausfiel und wenn es so klirrend kalt wird, dass die Leitung nur noch Eiswürfel ausspuckt. Doch Sonja und Andy haben vorgesorgt, denn Andy ist waschechter Schwabe und Tüftler. Er hat sich genügend Wiesen und Äcker rund um die Pferdevilla gesichert, insgesamt 70 Hektar Land, damit er sein Pferdefutter selbst anbauen und den Pferdemist wieder auf seine Felder ausbringen kann: „Wir wollen im Kreislauf arbeiten. Sonst kannst du deinen Einstellern keine stabilen Preise garantieren und wirst deinen Mist nicht los. Hafer, Gerste, Heu und Stroh erzeugen wir deshalb selbst.“

Im Heuständer können die Pferde in Ruhe und im Trockenen fressen. Die Heuballen werden in die Stallgasse gefahren, von dort wird das Futter mit der Gabel vorgelegt.

Im Heuständer können die Pferde in Ruhe und im Trockenen fressen. Die Heuballen werden in die Stallgasse gefahren, von dort wird das Futter mit der Gabel vorgelegt.

Natürlich auch, weil Andy dann weiß, dass etwas Ordentliches in Trog und Raufe kommt. Vor allem beim Heu ist ihm das wichtig. Sauber und frei von Schimmel soll das Heu sein und so, dass schwerfuttrige Pferde satt werden und leichtfuttrige nicht zu viel Energie fressen. „Wir haben hier im Heckengäu sehr gutes Heu, weil unsere Wiesen kräuter- und artenreich sind.“ Aus Unkraut-Monokultur kann man kein gutes Pferdeheu machen und auch nicht aus den falschen Grassorten. „In typischen Ackerbauregionen, in Norddeutschland und den Niederlanden etwa, steht viel Weidelgras auf den Wiesen. Das ist kein Pferdeheu, zumindest nicht für Freizeitpferde, die weniger Energie brauchen als Hochleistungspferde.“

„Wenn das Heu wo ganz anders herkommt, muss man es erst langsam wieder anfüttern“

Wer wenig eigenes Land hat und noch Heu zukaufen muss, dem rät Andy: „Schaut, dass es zumindest aus eurer Region kommt. Denn dann ist die Umstellung für die Pferde vom eigenen aufs fremde Heu nicht so krass. Wenn das Heu wo ganz anders herkommt, muss man es erst langsam wieder anfüttern. Das vergessen viele.“

Auf der Koppel wird in der "Pferdevilla" Heu zugefüttert, sobald das Gras knapp ist.

Auf der Koppel wird in der „Pferdevilla“ Heu zugefüttert, sobald das Gras knapp ist. Foto-Copyright: Schmid

Regional gehört für Andy und Sonja sowieso zum vernünftigen Stallkonzept. Am Ende rechnet es sich nämlich, wenn die Technikanbieter nicht weit weg sind und wenn man seine Ersatzteile schnell holen kann oder sie von vornherein doppelt und dreifach einkauft. „Wir kaufen auch Stallzubehör am liebsten in der Region. Wenn du spanische Technik kaufst, kannst du da nachher nicht hinfahren.“ Gerade erst hat Andy die Heizungen seiner Pferdetränken erneuert, dickere Heizkabel eingezogen und größere Kabelkanäle gelegt, denn er merkte, dass nach fünf Jahren die Heizleistung nachließ.

Bis zu minus 20 Grad kalt wird es im Winter auf dem Höhenrücken des Heckengäus, und der Wind braust recht ungemütlich rund um die Pferdevilla. „Letzten Winter habe ich gemerkt, das bei minus zehn Grad ein Millimeter Eis auf der Wasserleitung lag“, sagt Andy, der jetzt nach und nach die alten Zungentränken gegen moderne Schwimmertränken austauscht: „Die frieren nicht so leicht ein, weil sie direkt auf dem Rohr sitzen und einen dicken Betonsockel drumherum haben, der isoliert. Außerdem trinken Pferde gerne aus den Schwimmertränken, weil sie lieber aus dem Vollen saugen und sich nicht so anstrengen müssen.“

Pferde trinken lieber aus Schwimmertränken, die auch bei Kälte nicht einfrieren. Foto-Copyright: Schmid

Pferde trinken lieber aus Schwimmertränken, die auch bei Kälte nicht einfrieren. Foto-Copyright: Schmid

 

 „75 Cent pro Tag und Pferd. So viel kostet eine wirksame Tränkeheizung, wenn es Minusgrade hat“

Den Trink-Komfort für ihre Pferde lassen sich Andy und Sonja etwas kosten. Wie viel denn eigentlich? Andy zückt den Taschenrechner und kalkuliert kurz: „75 Cent pro Tag und Pferd. So viel kostet eine wirksame Tränkeheizung, wenn es Minusgrade hat.“ An solche Kosten denken Einsteller meist gar nicht, wenn sie sich wundern, warum ein guter Stall auch gutes Geld kostet.

Trotzdem: Was für ein Wahnsinn, finden Andy und Sonja, wenn viele Stallbetreiber im Winter den Stall abdichten, damit die Tränken nicht einfrieren. Nur um sich die Heizung zu sparen. Denn die Pferde bekommen die Quittung dafür. „Das ist doch total krank: Statt gescheite Tränken und Heizungen einzubauen, sperren die lieber ihre Ställe zu, so dass die Pferde nicht mal mehr auf den Paddock können und die Luft zum Schneiden dick wird.“ Sonja erinnert sich an ein Einstellerpferd, das vorher in so einem verrammelten Stall stand. „Da wurden wegen der Kälte immer nachts die Paddocks gesperrt. Und das Pferd hatte so einen Husten! Der kam wegen angeblicher Stroh-Allergie zu uns, was gar nicht stimmte. Denn bei uns hat er keine Probleme, obwohl er auch auf Stroh steht. Dass er hustete, lag einfach am Ammoniak, an der schlechten Luft im vorigen Stall.“

Sonja Schmid kümmert sich täglich um die Pferde und ihre Gesundheit.

Sonja Schmid kümmert sich täglich um die Pferde und ihre Gesundheit.

A propos draußen: Weil das Wetter im Oktober und November noch so mild und trocken war, gingen die Villa-Pferde bis vor kurzem noch auf die Koppel. Für die Psyche und die Bewegung ist das gut. „Die Pferde popeln im Gras, nagen Blättchen von den Büschen und toben manchmal  übermütig rum“, sagt Sonja, die freilich täglich überlegt, wie viel Koppel für ältere und schwerfuttrige Pferde um diese Jahreszeit noch gesund ist: Sie würden nicht genug zu fressen bekommen, wenn sie nach der morgendlichen Heufütterung im Heuständer von 9 bis 17 Uhr nur noch auf mageren Herbstkoppeln grasen. „Die Besitzer finden es toll, wenn ihre Pferde auf der Koppel sind. Aber ich hole einige Kandidaten lieber schon wieder um 14, 15 Uhr rein und sperre die Koppel dann an diesem Tag für sie.“ Mit dem Chip-Band, das die Pferde um die Fessel tragen und ihnen automatisch und individuell den Zugang zu Koppel öffnet, ist das problemlos möglich.

„Die Strohraufe dient als Raumteiler im Paddock und lockt die Pferde zum Strohfressen aus der Liegehalle“

Wenn sie nicht auf die Koppel gehen, leben die 30 Pferde im Aktivstall. Dort werden sie in 30 Futterständern morgens mit Heu gefüttert. Den Rest des Tages können sie ihre individuell eingestellte Heumenge in den Fütterungsautomaten abholen und dazu auch frisches Stroh fressen; entweder in der Liegehalle oder neuerdings auch an der Strohraufe. „Die haben wir im Oktober angeschafft, das war eine der besten Ideen in diesem Jahr“, findet Sonja. „Die Strohraufe dient als Raumteiler im Paddock und lockt die Pferde zum Strohfressen aus der Liegehalle.“ Seither dient die Liegehalle dem ursprünglichen Zweck, dem Liegen und Schlafen, und erlaubt jetzt auch rangniedrigen Pferde ungestörte Ruhe. Die älteren und schwerfuttrigen Aktivstallpferde kommen mit ihrem Chip-Band an eine weitere Futterquelle: Für sie öffnet sich der ad libitum-Bereich, in dem sie Heu nach Belieben fressen können. 

Im Selektionsbereich der "Pferdevilla" fressen die schwerfuttrigen Pferde Heu ad libitum. Im Hintergrund steht die Strohraufe, an die alle Pferde ran können.

Im Selektionsbereich der „Pferdevilla“ fressen die schwerfuttrigen Pferde Heu ad libitum. Im Hintergrund steht die Strohraufe, an die alle Pferde ran können. Foto-Copyright: Schmid

Die Männergruppe der Pferdevilla hatte in diesem Jahr fast durchgehend Freigang: sechs Wallache und ein Junghengst sind während der Weidezeit Selbstversorger, stehen Tag und Nacht auf den Weiden rings um die Pferdevilla. „Die haben ein dickes Fell und fressen ganz schön was weg. 15 Kilo Heu pro Pferd, das brauchen die jetzt, seit nachts die Temperaturen runter gehen“, beobachtet Andy, der alle zwei Tage einen 220 Kilo schweren Quaderballen Heu auf die Koppel fährt. Und gleichzeitig auch schaut, wie tief die Trittspuren auf der Weide in der nassen Jahreszeit werden. „Wenn es zu arg wird, ist die Koppelzeit für dieses Jahr zu Ende. Denn sonst geht uns das Wurzelwerk kaputt.“

Was wir noch von der Pferdevilla lernen können:

Fressen, Schubbern, Wälzen: Tipps für den Fellwechsel-Alltag

Unser Rezept gegen Matsch, Glätte und Stolpern

Das Interview mit Sonja Schmid: „In jedem Stall schaue ich in die Augen der Pferde“

Und hier geht’s zur Pferdevilla

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