Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Leichter Leichttraben: So wird der Trab geschmeidig

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Im Gelände traben die meisten Reiter lieber leicht - wir auch! Im Gelände traben die meisten Reiter lieber leicht - wir auch!

Am Leichttraben scheiden sich die Geister: Für manche gebeutelten Reiter ist es die Rettung, andere traben nur in der Lösungsphase leicht. Manche sitzen immer aus, und andere traben lieber nicht, sondern reiten nur Schritt oder Galopp. Dabei ist  Leichttraben ganz leicht, verrät Reitlehrerin und Diplom-Pädagogin Sibylle Wiemer aus Fintel bei Hamburg.

„Ich habe dazu von Ausbildern im Lauf der Jahre sehr interessante Zitate gehört. Die bemerkenswertesten teile ich gerne hier bei FREUNDPFERD mit Ihnen: Für den unvergessenen Hamburger Reitlehrer Uwe Wichmann (gestorben 1998), der auch Weltklasse-Vielseitigkeitsreiter Andreas Dibowski in der Dressur coachte, war es selbstverständlich, dass Reiter bei Sitzproblemen leichttraben: „Wenn du dein Pferd nicht sitzen kannst, kann dein Pferd dich nicht ertragen“. Das trifft doch den Nagel auf den Kopf, nicht wahr?

Hans Heinrich Meyer zu Strohen, der Bundestrainer der Jungen Reiter, sagte über das Aussitzen und Leichttraben: „In der heutigen Zeit werden Pferde mit einem solchen Bewegungsablauf gezüchtet, die können kaum noch jemand sitzen.

Christoph Hess, Ausbildungs-Botschafter der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) findet: „Ich glaube, dass insgesamt zu wenig leichtgetrabt wird!“ In diesem Punkt ist (ausnahmsweise…) auch Philippe Karl mit Christoph Hess einer Meinung. Philippe Karl vertritt die Reitweise der Légèreté, ist eines meiner großen Vorbilder und grübelte einmal: „Manchmal frage ich mich: Bin ich ein Weichei, wenn ich leichttrabe, weil es für mich und mein Pferd bequemer ist?“

Leichttraben in der Reitbahn: Der Reiter sitzt geschmeidig, damit das Pferd Schwung entwickeln kann. Foto-Copyright: Wiemer

Leichttraben in der Reitbahn: Der Reiter sitzt geschmeidig, damit das Pferd Schwung entwickeln kann. Foto-Copyright: Wiemer

Ich finde: Nein, wir sind keine Weicheier, wenn wir leichttraben. Denn ich habe in der Légèreté erlebt, dass Reiter ihre Pferde bis in die Seitengänge ausgebildet haben und selbst im Schulterherein und Travers leichtgetrabt sind.

„Mein Plädoyer für müheloses Leichttraben: Das Leichttraben kann dann mühelos sein, wenn die Bügellänge stimmt“

Übung 1: Wärmen Sie Ihr Pferd auf und traben Sie mit Ihrer gewohnten Bügellänge leicht. Wechseln Sie die Hand und die Linien, am besten auch die Zügellänge zwischen Dehnung und Gebrauchshaltung.

Halten Sie an und machen Sie Ihre Bügel fünf Löcher kürzer, reiten Sie wieder einige Runden auf beiden Händen wie oben beschrieben.

Verändern Sie die Bügellänge mehrere Male: 8 Loch länger, 3 Loch kürzer, 10 Loch länger, 6 Loch kürzer und so weiter. Dabei gibt es keine Regel, aber es dürfen extreme Bügellängen dabei sein: super kurz und so lang, dass Sie hangeln müssen, um im Bügel zu bleiben.

Hohlkreuz beim Leichttraben: Die Reiterin demonstriert einen typischen Sitz-Fehler, der sich durch Variieren der Bügellänge beheben lässt. Foto-Copyright: Wiemer

Hohlkreuz beim Leichttraben: Die Reiterin demonstriert einen typischen Sitz-Fehler, der sich durch Variieren der Bügellänge beheben lässt. Foto-Copyright: Wiemer

Seien Sie kreativ und mutig. Es geht darum, verschiedene Bewegungserfahrungen zu machen. Achten Sie besonders auf Ihren Beckengürtel. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, sondern nur den Fokus auf das Bewegungsgefühl und die eigene Wahrnehmung. Und lassen Sie Ihren Kopf nicht zu Wort kommen, denn er wird jammern: Oh weh, wie ein Jockey! Ja und?

Am Ende stellen Sie Ihre Bügel komplett nach dem Wohlfühlen ein, nicht nach abgenutzten Löchern oder nach der Meinung anderer.

„In Ihrem Körper fühlen nur Sie, was gut ist. Reiten soll Spaß machen, und das geht nur, wenn Sie geschmeidig sind“

Diese Übung können Sie natürlich auch für das Aussitzen, Galoppieren oder überhaupt für Ihren kompletten Reit-Alltag machen. Übrigens: Die meisten Reiter schnallen am Ende dieser Übungen freiwillig ihre Bügel ein oder zwei Loch kürzer …

Übung 2: Reiten Sie abwechselnd im leichten Sitz, im Leichttraben und im Aussitzen. Wählen Sie Ihre Bügellänge so, dass all diese drei Sitzarten problemlos möglich sind. Schenken Sie Ihr Augenmerk auf die Bewegungsfreude des Pferdes, auf die Beweglichkeit Ihres Beckens und Ihres Schultergürtels. Seien Sie mutig, reiten Sie den leichten Sitz à la Chiron oder wie ein Jockey und variieren Sie die Länge der einzelnen Sitzart. Es kommt nicht darauf an, möglichst lange auszusitzen: Für diese Übungen reichen schon ein paar Trabtritte oder auch die Zeit während des Fußwechsels.“

Sibylle Wiemer aus Fintel bei Hamburg ist FN-Reitlehrerin A und Diplom-Pädagogin. Bei FREUNDPFERD ist sie meine Expertin für Reit-Tipps rund um die Wohlfühl-Figur. Foto-Copyright: Wiemer

Sibylle Wiemer aus Fintel bei Hamburg ist FN-Reitlehrerin A und Diplom-Pädagogin. Bei FREUNDPFERD ist sie meine Expertin für Reit-Tipps rund um die Wohlfühl-Figur. Foto-Copyright: Wiemer

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