Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Warum die Heu-Analyse wichtig ist

Die FREUNDPFERD-Umfrage über gutes Heu und Fruktan

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Ein Sparmodell für Maya: Heu ist Grundnahrungsmittel und wird per Heunetz pferdegerecht dosiert. Ein Sparmodell für Maya: Heu ist Grundnahrungsmittel und wird per Heunetz pferdegerecht dosiert.

Den Sommer 2015 haben wir alle genossen: Sonne satt, schöne Ausritte und lange, laue Klön-Abende im Stall. Aber wir haben auch gebangt, denn die Weiden waren ratzfatz abgefressen, und die Böden blieben über Wochen knochentrocken. Wird es also genug Heu für alle Pferde geben? Und warum sollte man in diesem Jahr unbedingt eine Heu-Analyse machen lassen? Meine FREUNDPFERD-Umfrage.

Marc Jäger ist als Landwirt und Weinbautechniker mit den Wetter-Kapriolen vertraut. Er betreibt in Fellbach bei Stuttgart den HIT-Aktiv-Stall Equirena, in dem meine Stute Maya seit mehr als zehn Jahren zuhause ist: „Wir haben kurz nach Pfingsten, Anfang Juni, den 1. Schnitt auf unseren eigenen Heuwiesen gemäht. Der ist hervorragend geworden, weil die Sonne durchgehend schien. Da kann man das Heu drei Tage trocknen lassen, presst es danach zu Rundballen und riskiert keinen Schimmel. Im Mai war es mir dieses Jahr noch zu riskant, und mein Vater, der sein Jahrzehnten Heu macht und ein gutes Gespür hat, warnte mich vorm zu frühen Mähen. Andere Landwirte haben im Mai den 1. Schnitt geerntet, als es mal länger nicht regnete. Aber die Sonne war im Mai noch nicht stark genug, um das Heu richtig durchzutrocknen. Einer unserer Heulieferanten brachte eine Fuhre der ersten Rundballen. Die sahen äußerlich top aus, und innen waren die Feuchtigkeit beim Nachmessen zu hoch. Ich habe sie wieder zurück gegeben. Unseren eigenen 2. Schnitt haben wir dann im August gemacht. Da war das Gras natürlich durch die Trockenheit wenig gewachsen. Die Ausbeute war klein, aber ein paar Ballen sind es schon geworden.“

Sabine König, Westerntrainerin A, besitzt in Kandern zwischen Freiburg und Basel den Reiterhof „Platzhof“ und muss jedes Jahr Heu für 20 Pferde bunkern: „Wir füttern schon seit Wochen auf der Weide Heu zu, weil das Gras auf unseren sehr großen Wiesen in diesem Sommer wegen der Trockenheit nicht ausreicht. Unsere Pferde wechseln die Koppeln so, dass jede Weide sechs Wochen Ruhe hat. Das reicht in normalen Jahren von Mai bis Oktober, damit alle Pferde draußen sein können und vom Gras satt werden. Bei unseren Heulieferanten hier im Südschwarzwald hat es in diesem Jahr nur für einen Schnitt gereicht. Deshalb könnte es schon sein, dass das Heu knapp wird. Aber ich habe keine Sorge, dass es für uns nicht reicht oder zu teuer wird: Ich habe faire Preise verhandelt, zahle in üppigen Jahren keine Dumpingpreise und dafür in mageren Jahren keine Mondpreise.“

Wohl dem, der sich seine Vorräte gesichert hat: Die Heu-Ernte fiel diesen Sommer unterschiedlich üppig aus.

Wohl dem, der sich seine Vorräte gesichert hat: Die Heu-Ernte fiel diesen Sommer unterschiedlich üppig aus.

Dietbert Arnold aus Bremen ist Sachverständiger für Pferdezucht und Haltung seit mehr als 20 Jahren. Er hat unzählige Pferdewirte in Sachen Fütterung ausgebildet und geprüft, berät das NRW-Landgestüt und betreut unter anderem die Website www.winration.info Portrait_Arnold„Die Heu-Ernte fiel diesmal ausgesprochen unterschiedlich aus. In Baden-Württemberg etwa wurde katastrophal wenig Heu geerntet. Einen zweiten Aufwuchs gab es vielerorts gar nicht, weil die Wiesen einfach nur gelb waren. Im Norden war es anders: Das Frühjahr war lange kühl und sehr trocken. So brauchte der erste Aufwuchs mindestens vier Wochen länger und war niedriger, so dass er insgesamt weniger Heu brachte. Der zweite Aufwuchs war im Norden sehr gut, wir hatten moderates Wetter. Und im späten Sommer, als Süddeutschland unter der Hitze litt, hatten wir es im Norden recht feucht bei um die 20 Grad. Ein guter Indikator ist immer der Mais: Wenn man da drüber nur noch den Himmel sieht, wie es im Norden der Fall war, wächst auch das Gras gut, und die Heu-Ernte fällt üppig aus. Im Süden war das nicht der Fall. Im Osten, wo die Sandböden sind, die keinerlei Niederschläge speichern, war es auch zu trocken für guten Aufwuchs. In Erfurt konnte man über den Mais noch drüber gucken; der war gerade mal 1,50 Meter hoch. Insgesamt hatten wir viel Sonne in diesem Jahr, das heißt: Die Pflanzen haben viel Photosynthese betrieben und viel Reserve-Zucker gespeichert: Sie konnten den Zucker ja nicht fürs Wachstum verbrauchen, weil das Wetter zu trocken war. Viel Sonne, wenig Regen: Das ist typisches Fruktan-Wetter, das Heu ist also in diesem Jahr wohl recht zuckerreich.

Dietbert Arnold ist Sachverständiger für Pferdezucht und Pferdehaltung und berät das NRW-Landgestüt in Sachen Pferdefütterung. Foto-Copyright: Nils Arnold

Dietbert Arnold ist Sachverständiger für Pferdezucht und Pferdehaltung. Foto-Copyright: Nils Arnold

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Tipp von Dietbert Arnold: Lassen Sie in diesem Jahr unbedingt eine Heu-Analye machen, um festzustellen, wie viel Energie Ihr Heu enthält und wie riskant es somit für hufrehe-empfindliche Pferde ist. So eine Analyse geht ziemlich schnell: 300 bis 500 Gramm Heu eintüten und per Post verschicken; das Ergebnis kommt per Mail oder Fax. Das Ganze kostet 50 bis 60 Euro und wird von den Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten angeboten. Infos und Adressen unter www.vdlufa.de

Hier gibt’s noch mehr Infos zu Heu und Hufrehe:

Zucker aus dem Heu waschen: So geht’s richtig!

„Meine Wadimah hat sich zu Tode gefressen“: Leser-Erfahrung zur Fütterung und Haltung von Hufrehe-Pferden

 

 

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