Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

„Füttern stärkt unsere Beziehung zum Pferd“

... und kann ängstliche Pferde entspannen

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Freundschaft füttern: Wir lieben es einfach, wenn unsere Pferde uns aus der Hand fressen. Freundschaft füttern: Wir lieben es einfach, wenn unsere Pferde uns aus der Hand fressen.

Liebe geht beim Menschen durch den Magen. Auch unsere Pferde beglücken wir deshalb mit Leckerbissen – zur Begrüßung, nach dem Reiten, als Snack zwischendurch. Lächerlich finden das vor allem Männer aus der Horsemanship-Ecke: Das Pferd werde durch Füttern aus der Hand zum notorischen Bettler, warnen sie. Stimmt das? Ich frage für FREUNDPFERD die Biologin Konstanze Krüger, die als Professorin für Pferde-Verhaltensforschung an der Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt lehrt.

Porträt Dr. Konstanze Krüger, Biologin und Professorin für Verhaltensforschung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen.

Porträt Dr. Konstanze Krüger ist Biologin und Professorin für Verhaltensforschung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen. Foto-Copyright: Krüger

 

FREUNDPFERD: Kann Futter die Beziehung zum Pferd verbessern? Oder schafft es eher Probleme?

Konstanze Krüger: Ich sehe das Füttern aus der Hand nicht ganz so kategorisch wie die Horsemanship-Trainer, unter denen es tatsächlich sehr viele Gegner von Futterlob und Leckerli gibt. Im Prinzip argumentieren die ja richtig, wenn sie sagen: ‚In der Natur bietet kein Pferd dem anderen einen Apfel an. Warum sollten wir es dann tun?‘

Wie halten Sie dagegen?

Wenn ich mir anschaue, dass bereits Fohlen über die körperliche Nähe beim Saugen und der Milchaufnahme eine soziale Bindung zur Mutter aufbauen, glaube ich schon, dass Nahrung und Beziehung irgendwie zusammen hängen. Auch wenn mir dazu keine einzige Studie einfällt, und ich würde auch keine durchführen wollen: Dazu wären Isolationsversuche mit Fohlen notwendig, und die verbieten sich nach meiner Überzeugung von selbst. Aber meine Erfahrung aus vielen Jahren des Zusammenlebens und der Arbeit mit Pferden ist: Wir können Futter einsetzen, um die Beziehung zum Pferd zu stärken, ihm ein Gefühl des Wohlbefindens zu verschaffen und eine fürs Pferd angenehme Situation zu schaffen.

Welche Situationen meinen Sie konkret?

Denken wir mal an ängstliche, rangniedrige Pferde. Da habe ich bisher immer gute Erfahrungen gemacht, wenn ich mit Futter erst mal eine positive Grundstimmung schaffe und das Vertrauen fördere. Ich denke da zum Beispiel an eine Ponystute, die trotz größter Vorsicht unter Gurtzwang leidet. Wenn ich ihr vor dem Satteln ein Leckerli gebe, kaut sie und entspannt total. Das Angurten ist dann überhaupt kein Problem mehr. Ich muss das Leckerli natürlich rechtzeitig geben, bevor sie anfängt sich zu verspannen.

Genau. Denn angenommen, ich schiebe einem nervösen Pferd zur Beruhigung ein Leckerli zu, während es hibbelt: Da belohne ich es doch gerade für sein Hibbeln.

Ja, das stimmt. Und es zeigt, dass das Timing und die Kopplung zwischen dem Verhalten des Pferds und dem Füttern durch den Menschen schwierig sind. Wie immer ist die nötige Portion Konsequenz im Umgang mit dem Pferd gefragt. Ich muss dem Pferd klarmachen können: Das war’s jetzt mit dem Apfel, da kommt kein weiterer mehr nach. Da darf ich nicht weich werden. Manche Pferde akzeptieren das gut. Andere fordern das Futter massiv ein, fangen an zu beißen und zu schlagen.

Haben Sie da ein Beispiel für uns?

Das Problem taucht vor allem bei dominanten Pferden auf. Eine meiner Stuten ist so ein Fall. Ihr habe ich ein einziges Mal ein Leckerli gegeben, und sie fing an, richtig aggressiv zu drohen. Ihr gebe ich seither nichts mehr aus der Hand. Mein Mann hält genau aus diesem Grund nichts davon, mit Leckerli als Lob zu arbeiten. Er hat noch nie Leckerli gegeben; schon deshalb, weil es ihm zu umständlich ist, bis er die aus der Hosentasche gekramt hat. Aber selbst er unterstützt es, die positive Grundstimmung bei der Arbeit mit Futter zu unterstützen.

Wie macht er das dann?

Mein Mann war ja der letzte Schüler des legendären Paul Stecken, der an der Westfälischen Reit- und Fahrschule Münster gelehrt hat. Und dort war es üblich, dass etwa beim Freispringen der jungen Pferde am Ende des Springgartens ein Bereiter mit der Haferschüssel stand. Dort konnten sich die Pferde bedienen. Auch eine Art Entspannungs- und Wohlfühl-Maßnahme.

Hier gibt’s weitere interessante Themen zum Füttern und Loben: 

Das (bio-)logische Belohnungsprinzip: Die Do’s and Dont’s beim Loben

Richtiges Leckerli-Timing: Warum Lob im Training Wunder wirkt

7 Merksätze zum Loben: Das raten die alten Reitmeister

 

 

 

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