Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Pferde (bio)logisch richtig loben

Wann muss ich mein Pferd unbedingt loben und wann nie?

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Belohnung nach der Arbeit: Maya kommt auf Kommando Belohnung nach der Arbeit: Maya kommt auf Kommando "Hier" in die Mitte des Roundpens, senkt den Kopf und wird zwischen den Öhrchen gekrault.

Eigentlich ist richtiges Loben ganz leicht, wenn man sich an das 3-Stufen-Prinzip hält. Ich habe es nach intensiven Gesprächen mit Ausbildern und Pferdeverhaltens-Experten erstellt. Das FREUNDPFERD-Belohnungs-Prinzip fasst also praktisch zusammen, was wir über das Lernverhalten und die Erziehung von Pferden wissen.  

Loben Sie unbedingt, wenn …

… das Pferd eine neue Lektion oder Hilfe auch nur im Ansatz versteht und in die richtige Richtung denkt. Das kann je nach Alter und Ausbildungsstand die Hilfe zum Galoppwechsel, die korrekte Dehnungshaltung, braves Stillstehen im Gelände oder manierliches Hufgeben beim Schmied sein.

… das Pferd eine bereits bekannte Übung außergewöhnlich eifrig, diszipliniert oder brillant ausführt.

… das Pferd für einen Fehler korrigiert oder bestraft werden musste. Danach müssen Sie ihm sofort die Chance geben, das wieder wettzumachen: Verlangen Sie eine einfache Übung, für die Sie das Pferd überschwänglich belohnen. Sie werden sehen: Ihr Lob motiviert das Pferd wieder zur Mitarbeit, schafft Vertrauen und Ruhe. Das fördert Lernen.

… das Pferd Ihre Hilfen richtig interpretiert und entsprechend reagiert, obwohl Sie sie eigentlich anders gemeint hatten. Beispiel: Sie wollen zum Schritt durchparieren, geben die Parade aber zu stark. Hält das Pferd jetzt an, müssen Sie es dafür unbedingt loben! Das ist sicher eine der schwierigsten Lobeleien, denn Sie müssen in Sekundenbruchteilen Ihren eigenen Hilfen-Fehler erkennen!

 Loben Sie ab und zu, wenn …

… das Pferd eine Aufgabe bereits kennt und beherrscht: Gelobt wird dann nicht jedesmal, sondern nur bei besonders guter Ausführung. Das motiviert Pferde und garantiert, dass sie ihr Leistungsniveau halten oder steigern können. Denn wenn Sie durchschnittliche Leistungen zu häufig loben, strengt sich das Pferd nicht mehr an; die Übung wird schlechter statt besser.

Loben Sie auf keinen Fall, wenn …

… Sie eine lobenswerte Aktion des Pferds zu spät bemerken: Lob muss nach 1-2 Sekunden erfolgen, sonst verknüpft das Gehirn des Pferds sie nicht mit der zu lernenden Übung. Es kann sogar sein, dass das Pferd statt dessen ein anderes, später gezeigtes Verhalten mit Ihrem Lob verknüpft und so das Falsche lernt.

… eine Übung für das Pferd längst in Fleisch und Blut übergegangen ist. Beispiel: Stillstehen beim Aufsteigen oder korrektes Anreiten im Schritt werden nur zu Beginn der Ausbildung ausdrücklich und gezielt belohnt, später nicht mehr. Wenn das Pferd für alles belohnt wird, stumpft es mit der Zeit ab; Ihre Lob-Maßnahmen werden wirkungslos.

… das Pferd eine bekannte Lektion schlampig oder lustlos abspult.

… das Pferd einen Fehler macht, indem es Ihre Hilfen falsch interpretiert und falsch reagiert (vorausgesetzt, die Hilfen waren klar, richtig und unmissverständlich).

… Sie gar keine Hilfen oder Kommandos gegeben haben. Würden Sie eine Reaktion des Pferds jetzt loben, wartet das Pferd nicht mehr auf Ihre Anweisungen, sondern entscheidet selbst, wann es etwas tut: Es wurde ja dafür belohnt. Wichtig ist auch hier, dass Sie sofort erkennen, ob Sie wirklich  keinerlei Kommando gegeben haben. Sensible Pferde reagieren nämlich auf das geringste Zucken des Reiters, was für höhere Ausbildungsniveaus ja auch erwünscht ist.

… das Pferd herumzappelt, scheut oder sich widersetzt. Ihre gutgemeinte Beruhigungs- oder Beschwichtigungsmaßnahme könnte das Pferd als Lob für seine Zappelei interpretieren. Besser als tätscheln oder streicheln: Bringen Sie dem Pferd ein Beruhigungs-Wort (z.B. „Hoho“) oder ein Aufmerksamkeits-Kommando („Pass auf!“) bei. So kann es sich entspannen oder muss sich konzentrieren, und die angsteinflößende Umgebung verliert an Bedeutung.

… das Pferd Ihre Sicherheitszone nicht respektiert, Ihnen droht, zwickt oder auf die Füße tritt. In solchen Situationen reagieren Reiter oft beschwichtigend oder tätscheln das Pferd sogar. Damit bestätigen Sie es aber in seinem dominanten Verhalten und zementieren Ihre eigene untergeordnete Position.

… das Pferd mit anderen Pferden streitet, während Sie sich mit ihm beschäftigen.

… das Pferd um die Belohnung bettelt, was besonders beim Futter-Lob mit Leckerli oder ähnlich Leckerem leicht passiert. Egal ob es mit angelegten Ohren und Kopfschwingen drängelt, die Nase in Taschen oder Hand bohrt oder Ihnen auf die Pelle rückt, wenn Sie den Futtereimer nicht schnell genug parat haben: Wenn Sie sich so unter Druck setzen lassen und nachgeben, wird das Betteln nach Futter immer schlimmer. Besser: Ignorieren Sie das Verhalten. Füttern Sie auf keinen Fall das Leckerli oder geben den Eimer frei. Warten Sie, bis das Pferd wieder höflich ist. Dann wird es mit Futter belohnt.

Den Eimer gibt's erst, wenn das Pferd ruhig darauf wartet und nicht bettelt oder hibbelt.

Den Eimer gibt’s erst, wenn das Pferd ruhig darauf wartet und nicht bettelt oder hibbelt.

 

Hier gibt’s noch mehr Interessantes zum Thema Loben und Füttern:

Loben, Streicheln, Füttern: So haben es die alten Reitmeister gemacht 

Warum Lob und Leckerli Wunder wirken: Das raten Verhaltensforscher und Trainer

Wie Füttern die Beziehung stärkt: Interview mit Professor Konstanze Krüger

 

 

 

 

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