Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Motivieren mit Lob: Das raten die Reitmeister

Die 7 denkwürdigsten Tipps, wie Pferde leichter lernen.

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Schon der berühmte Reit-Oberst Xenophon wusste 369 vor Christi Geburt, dass man Pferde möglichst oft mit angenehmen Dingen von Streicheln bis Füttern belohnen soll. Seither haben sich viele Reitmeister schlaue Gedanken über das Loben gemacht. Sieben Kostproben habe ich zusammengestellt. Welche schmeckt Ihnen am besten? 

„Im übrigen muss man, wie ich nicht oft genug betonen kann, jedesmal, wenn das Pferd etwas gut macht, ihm etwas Angenehmes erweisen.“ (Reit-Oberst Xenophon, Griechenland, 369 v.Chr.)

„Strafe das Pferd ohne Rücksicht, bedrohe es dabei mit fürchterlicher Stimme; einem so entschlossenen Auftreten gegenüber wird es sich willfährig wie ein Schäfchen hereinbegeben; aber du musst es streicheln, sobald es sich gibt und gut tut.“ (Frederico Grisone, Gründer der Reitakademie Neapel, Italien, 1550. Grisone ist als Ausbilder der härteren Sorte berüchtigt; aber sogar er wusste um den Sinn des Lobens) 

„Liebkose und streichle das Pferd sofort, sobald es sich zum Gehorsam anschickt; denn ein Pferd kann nicht mehr gehorchen lernen als durch viel Lob mit Mund und Hand und Geben von Leckerbissen.“ (Antoine de Pluvinel, Reitlehrer von König Ludwig XII., Frankreich, 1670. Mein persönliches Lieblings-Lob-Zitat!)

„Güte, Nachsicht und Schmeichelei zur unrechten Zeit legt nur zu oft den Grund, erst zur Geringachtung der Hülfen, dann zur Opposition und zum Eigensinn. Vergebens erwartet man einen guten Erfolg von einem stets nachsichtigen, vergebens von einem stets durchgreifenden Reiter.“ (E.F. Seidler, Stallmeister bei der Königlich Preußischen Lehr-Eskadron, Deutschland, 1846)

„Ein Peitschenschlag beim Zurückweichen, Mohrrüben beim Vorwärtsgehen. Nachdem dieses Manöver mehrmals wiederholt worden, begriff mein Schüler (gemeint ist das Pferd) endlich, dass die Rückwärtsbewegung bestraft, hingegen die Vorwärtsbewegung belohnt wurde. Dies bildet die Grundlage meiner Methode, sei es zu Fuß, im Sattel oder im Stalle. Es ist ein Fehler, ein Tier zu schlagen, wenn das gleiche Resultat ohne Schläge zu erzielen ist.“ (James Fillis, Reitlehrer an der Kaiserlichen Zentral-Kavallerieschule St. Petersburg, Russland, 1894)

„Ruhepause mit Loben, an die Zügel stellen, versammeln, einige Piaffetritte und erneuten Antritt zur Passage herauslassen. So spielt sich die Arbeit in größter Ruhe bei absolut stiller Führung ab. Geduld und kurze Reprisen, viel Loben bleibt die Hauptsache.“ (Felix Bürkner, Kommandeur der Heeres-Reit-und -Fahrschule Krampnitz/Potsdam, Deutschland, 1957)

„Immer wieder treffen aus allen Teilen Deutschlands Zuckerpäckchen ein, oftmals nur adressiert: An Meteor, Elmshorn! Aber er kann diese Zuckermengen gar nicht bewältigen, so dass seine Stallgefährten davon profitieren. Die gewichtigste Zuneigung drückte sich in einem Zentner-Sack Zucker aus, den er zu seinem 100. Sieg (in Kiel am 3. März 1957 in einem SA-Springen nach Stechen) geschenkt bekam.“ (Sportjournalist Carl Friedrich Missdorf 1961 über das legendäre Springpferd Meteor, das seinem Reiter Fritz Thiedemann Weltruhm bescherte. Und dem offensichtlich damals ganz Deutschland leckeres Lob zollte.)  

Hier gibt’s noch mehr Interessantes zum Loben und Füttern:

Warum Lob und Leckerli Wunder wirken: Das sagen Verhaltensforscher und Trainer

Das (bio)logische Belohnungsprinzip: Wann loben wir richtig?

Wie Füttern die Beziehung zum Pferd stärkt: Interview mit Professor Konstanze Krüger

 

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