Ein Blog von Christine Felsinger
mit Fotos von Felix Knaack

Der tägliche Zoff ums Pferdefutter

Auslöser für Unzufriedenheit im Stall und Lösungs-Tipps

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Kraft-Probe: Reiter riechen gerne selbst am Müsli, ehe sie es ihren Pferden füttern. Kraft-Probe: Reiter riechen gerne selbst am Müsli, ehe sie es ihren Pferden füttern.

Im Winter droht wieder Stall-Streit: Es wird zu wenig Heu und zu viel Kraftfutter gefüttert. Im staubigen Heu sind giftige Herbstzeitlose. Der Hafer schimmelt. Das Pferd hat zu wenig Auslauf. Man meckert beim Stallbesitzer, doch der will nichts ändern. Warum ist das so? Und wie lösen wir solche Probleme im Sinne des Pferdewohls? Für FREUNDPFERD erklärt Christina Wenz die Gründe. Sie ist Reiterin, Juristin und hat beschlossen, als Mediatorin zu arbeiten. Heißt: Sie schlichtet Streit, am liebsten rund um ihr pferdiges Hobby.

„Wenn es im Stall Streit gibt, wird alles gleich höchst emotional. Deshalb hatte ich vor zwei Jahren aufgrund eigener Erfahrungen die Idee, Mediation rund ums Pferd anzubieten, um in solchen Fällen aus neutraler Position heraus professionell zu helfen. Häufig sitzen Frust und Kränkung nämlich so tief, dass aus eigener Kraft nichts mehr geht: Die Einsteller sind sofort auf 180, wenn ihnen etwas nicht gefällt, und die Stallbetreiber fühlen sich oft an den Karren gefahren.

Warum das so ist? Vielleicht, weil es Reitern um ihr Liebstes, um ihre Pferde geht. Und der Stallbetreiber macht seinen Job ja auch meist mit mehr Herzblut als beispielsweise der Geschäftsführer einer Großwäscherei, den es eher kalt lässt, wenn sich ein Kunde beschwert. Der sieht das mit mehr professionellem Abstand, während ein Stallbetreiber stärker emotional involviert ist, oft selbst reitet und eigene Pferde besitzt, deren Wohl ihm am Herzen liegt. Deshalb fühlt er sich schnell persönlich angegriffen und reagiert entsprechend gereizt, wenn sich Einsteller beschweren. Das geht soweit, dass manche Stallbetreiber nachts nicht mehr schlafen können. Sie sind verzweifelt, trauen sich schon gar nicht mehr in ihren eigenen Stall aus Furcht, dass sofort wieder alle kommen und meckern. Natürlich sind sie auch deshalb down, weil sie Kündigungen befürchten und weil ihre Existenz an ihrem Stall hängt.

Typische Auslöser für Unzufriedenheit im Stall:

  • Futterqualität
  • Futtermenge
  • Pferde auf die Weide bringen und reinholen
  • Sauberkeit von Box und Einstreu
  • Abäpfeln von Paddock, Weide, Halle
  • Umgang mit den Pferden (eher selten)

Meist mischen sich diese Faktoren mit einer allgemein schlechten Stimmung im Stall. Das Traurige ist, dass in dieser schlechten Stimmung dann alles untergeht, was man im Stall eigentlich gut findet und weshalb man sich mal für diesen Stall entschieden hat. Deshalb ist es so wichtig, dass man sich als Einsteller immer wieder auch die positiven Dinge im Stall in Erinnerung ruft: Was gefällt mir, was klappt, inwiefern geht es meinem Pferd hier gut, wo kann und will ich Kompromisse eingehen? Und man muss sich natürlich auch überlegen: Wäre ich bereit, notfalls den Stall zu wechseln und dann vielleicht weitere Wege in Kauf zu nehmen?

Christina Wenz, Volljuristin und Mediatorin, betreibt ihre Praxis in Kaiserslautern. Sie hat sich unter anderem auf die Schlichtung von Streit in Pferdeställen spezialisiert.

Christina Wenz, Volljuristin und Mediatorin, betreibt ihre Praxis in Kaiserslautern. Sie hat sich unter anderem auf die Schlichtung von Streit in Pferdeställen spezialisiert. Foto-Copyright: Wenz

1. Am Anfang besprechen wir, was Mediation überhaupt ist und wie wir dabei miteinander reden wollen. Wichtig: andere ausreden lassen. Klarmachen, dass es nicht um Schuldzuweisungen geht.  Vertraulichkeit klären: wer spricht mit wem über was? Prinzip Freiwilligkeit vereinbaren: Jeder kann jederzeit aufhören, an der Mediation teilzunehmen. Keiner wird zu etwas gezwungen.

2. Danach legen wir die Themen für die Mediation fest und sammeln dazu Fakten: Wir schreiben alles auf, was Probleme macht. Und auch das, was gut ist und keine Probleme macht.

3. Wir finden die Bedürfnisse aller Beteiligten heraus: Der Stallbetreiber möchte z.B. entspannt seine Arbeit machen und auch mal eine Anerkennung dafür bekommen. Der Einsteller möchte im Stall seine Freizeit genießen und sicher sein, dass es seinem Pferd dort gut geht.

4. Und nun geht es darum, mögliche Lösungen zu finden. Die sind natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich. Meist finden wir Lösungen.

So eine Lösung kann beim Thema Heufütterung zum Beispiel sein: Pferdebesitzer kümmern sich selbst um Raufen oder Heunetze für den Paddock, wenn sie finden, dass zu wenig Heu gefüttert wird und wenn der Stallbetreiber Angst hat, dass das kostbare Heu bei loser Fütterung verschmutzt. Oder Pferdebesitzer organisieren die Futterbeschaffung selbst, wenn sie mit der Qualität nicht zufrieden sind und der Stallbetreiber selbst nichts unternimmt. Natürlich muss der Stallbetreiber in solche Eigeninitiativen einwilligen, aber genau das vereinbart man in der Mediation. Vereinbaren könnte man auch, dass Einsteller als Ausgleich für solche Eigenleistungen eine kleine Reduzierung der Stallmiete bekommen.

Zumindest hilft es Pferdebesitzern unglaublich, wenn sie beim Beschwerdegang zum Stallbetreiber schon einen Lösungsvorschlag mitbringen. Das weicht die Fronten sofort auf. Genauso wichtig ist es, sich selbst und dem Stallbetreiber zu sagen: ‚Ich mag den Stall‘. Das nimmt sofort Dampf raus und ist die perfekte Ausgangsbasis für alle anschließenden Problemlösungs-Diskussionen.“

So überzeugen Sie den Stallbetreiber: Unsere Erste-Hilfe-Tipps bei Streit im Stall

Hier können Sie Christina Wenz kontaktieren 

 

 

 

1 Kommentar

  1. Danke für den tollen Artikel. Habe viel lehrreiches daraus ziehen können! Wir haben selbst einige Pferde und deshalb suchen wir ständig nach neuen Infos und Tipps!

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